StartseiteHochsensibilität allgemeinIn drei Schritten zu mehr Abgrenzung bei Hochsensibilität

Kommentare

In drei Schritten zu mehr Abgrenzung bei Hochsensibilität — 15 Kommentare

  1. Hallo Anne-Barbara,

    herzlichen Dank für Deinen Artikel!

    Folgender Satz macht mich gerade nachdenklich: „Derjenige, an dem da gekratzt wird, kann das als übergriffig empfinden und sich lautstark beschweren! Zurecht.“ Ich erlebe es sehr oft umgekehrt: An mir wird gekratzt, weil es andere juckt, weil jemand meint mir helfen oder mich verändern zu müssen, obwohl es mich weder juckt noch ich die Hilfe annehmen möchte. In dieser Hinsicht habe ich viel mehr „zu tun“ als dass ich das Gefühl habe, selbst übergriffig zu werden. Im Gegenteil bin ich glaube ich genau deshalb von kleinauf vorsichtiger im Kontakt zu anderen, weil ich Übergriffe auf mich erlebe, die ich für mich nicht effektiv abzuwehren weiß, bzw. diesen nichts wirksames entgegensetzen kann.

    Herzliche Grü0e,
    Bianca

    • Hallo Bianca,

      dann darfst Du diesen Satz gern für Dich so verstehen, dass auch Du das Recht hast, Dich lautstark zu beschweren, sollte jemand dies bei Dir tun! 🙂 Und wenn Du aus einem solchen Verhalten gelernt hast und darauf achtest, es anders zu machen, umso besser. Bei vielen Hochsensiblen besteht die Gefahr nämlich, gerade weil man aufgrund seiner entgrenzten Weise des Seins nicht so genau spürt, wo man selbst aufhört und der andere anfängt. Ich beispielsweise musste das erst lernen und erlebe das auch bei vielen meiner Klientinnen und Klienten.

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

  2. Hallo Anne-Barbara,

    ich bin gerade genau da dabei, zu lernen, Respekt vor meinen eigenen Grenzen einzufordern, zunächst auf Körperlicher Ebene und in sicherer Umgebung.
    Im Alltag ist es für mich noch immer nicht einfach, mich erfolgreich abzugrenzen. Ich nehme meine eigenen Grenzen zwar immer besser wahr und kann sie auch öfter rechtzeitg benennen und recht ruhig in Worte fassen. Aber an den Reaktionen ändert das leider sehr oft nichts. Das frustriert mich dann zunehmend, weil ich mich mit meiner Kunst zur Veränderung trotz allem auf verlorenem Posten fühle.
    Beispiel: Bitte öffne diese Sektflasche nicht neben meinem Ohr. Kommentar einer dritten Person, die boeobachtet hat zu meinem Gesprächspartner: Bitte geh doch auf die andere Seite des Tisches oder aus dem Raum. Antwort meines Gegenübers an die dritte Person gewandt: Jetzt hör doch auf, das noch zu unterstützen. Ich ging, der Korken knallte. Mir kramen die Tränen. Das Thema war wie nie dagewesen. Ich habe mich ein weiteres Mal nicht ernstgenommen und nicht respektiert gefühlt.

    Herzliche Grüße,
    Bianca

    • Hallo Bianca,

      ich finde es gut, dass Du damit beginnst, konsequent Grenzen zu setzen. Konsequent heißt, dass man sich nicht davon entmutigen lässt, wenn man damit auch einmal aneckt. Ich kann gut nachvollziehen, dass Dir diese Geschichte etwas ausgemacht hat. Wichtig ist, welche Entscheidung Du aufgrund dieses Erlebnisses fällst. Schade wäre es, wenn Du es dabei belassen würdest, Dich wieder nicht ernstgenommen und respektiert zu fühlen. Du kannst Dich auch dafür entscheiden, bestmöglich aus dieser Situation zu lernen, damit es zukünftig mit der Abgrenzung noch besser klappt. Letztlich ist es nämlich viel wichtiger, dass Du Dich selbst ernst nimmst und respektierst. Wenn andere das nicht tun, ist das deren Problem und nicht Deins. 😉

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

  3. Hallo Anne-Barbara,

    das stimmt wohl – sich selbst ernst nehmen und konsequent sich selbst gegenüber sein ist ein wesentlicher Schritt dabei. Manchmal steht mir da mein recht ausgeprägtes Harmoniebedürfnis ein bisschen im Wege. Gerade dann, wenn sowas mit den eigenen Eltern – mal wieder – passiert, die einen in diesem Aspekt leider noch nie erntgenommen haben. Und das wohl auch in Zukunft nicht vorhaben (Schreckhaftigtkeit kann man sich schließlich abgewöhnen und es ist nur Anstellerei) 🙂

    Herzliche Grüße,
    Bianca

    • Hallo Bianca,

      ja genau, unser Harmoniebedürfnis steht uns bei der Abgrenzung oft im Weg. Aber wirkliche Harmonie kommt eben nur zustande, wenn wir uns auch gut dabei fühlen und nicht nur so tun, als wäre alles o.k. Von daher kann man eine „Harmonie“, die nur darauf beruht, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, getrost in die Tonne treten. 🙂

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

  4. Hallo Anne-Barbara,

    so eine Scheinharmonie ist dann eben wie Autofahren mit angezogener Handbremse und kostet unwahrscheinlich Energie – wenn man eben doch nicht so sein kann, wie man ist, nämlich authentisch und ehrlich zu sich selbst.

    Ich habe das heute im beruflichen Kontext lve an mir selbst erlebt: Ich kam aus so einer Scheinharmonie raus, wusste, dass ich jetzt neu starten und ehrlicher zu mir selbst sein kann und konnte ein breites Grinsen der Erleichterung einfach nicht verkneifen 🙂 Mir fiel eine Felswand von Herzen 🙂
    Kurz darauf bekam ich in einer Fortbildung die Bestätigung dahingehend, dass Konsequent-Sein zwar nicht immer leicht sei, aber dennoch wichtig für ein gites Miteinander und die eigene Authentizität 🙂

    Herzliche Grüße,
    Bianca

    • Hallo Bianca,

      da bist Du auf einem guten Weg! 🙂 Danke Dir für’s Teilen.

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

  5. Hallo,
    ich habe eine Absicht zu erkennen, wo meine Grenzen sind. Ich bin sehr sensibel, deswegen war dieser Artikel für mich sehr interessant. Villeicht ist es so, dass wenn wir unsere Grenzen kennenlernen, können wir besser funktionieren und können wir tatsächlich besser das Leben ertragen.
    Grüß
    Thomas

    • Hallo Thomas,

      freut mich, dass Dich dieses Thema auch beschäftigt! Ich denke schon, dass es uns um einiges besser gehen kann, wenn wir Klarheit über unsere Grenzen haben. Wir können unser Leben besser auf unsere Bedürfnisse zuschneiden und unsere Wahlmöglichkeiten konstruktiv nutzen. Außerdem machen wir uns nicht mehr über alles einen Kopf, was außerhalb unseres Bereichs liegt, und sparen dadurch wieder Energie ein. Wenn Du noch Fragen hast, immer gern! 🙂

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

  6. Hallo Anne-Barbara,

    danke für Deine Ermutigung 🙂
    Je mehr ich mich gerade damit auseinandersetze, desto dutlicher fällt mir auf, dass es oft mit scheinbaren Kleinigkeiten beginnt: Steht der Schreibtisch im Büro zur Wand mit dem Rücken zum Kollegen oder sitzt man sich gegenüber und guckt sich – ob man will oder nicht – fast automatisch bei der Arbeit zu? Wenn ich nicht wie zufällig jetzt die Wahlmöglichkeit habe und frei entscheiden darf mit Bedenkzeit – ich hätte es wohl einfach weiter als Gegebenheit hingenomen und weiter damit gehadert, dass mich der Kollege ablenkt, wenn ich ihm gegenübersitze.

    Herzliche Grüße,
    Bianca

  7. Hallo Anne-Barbara,

    vielen Dank für Deine guten Ausführungen hinsichtlich der Grenzen.

    Du hast sehr gut beschrieben, dass gerade Hochsensible gerne Grenzen anderer überschreiten, weil sie ihre eigenen Grenzen nicht richtig spüren. Genauso mache ich es seit Jahren mit meiner Tochter beim Lernen für die Schule. Mittlerweile hat sie mir gegenüber absolut zugemacht. Das belastet mich einsteils, bei mir ist aber auch der große Wunsch da, endlich aus diesem leidigen Thema herauszukommen.
    Durch Deine Ausführungen bin ich eben sehr ins Grübeln gekommen. Bei mir ist auch dieser extreme Antrieb da, ihr helfen zu wollen, sie vor schmerzlichen Erfahrungen (wie ich sie in der Schule hatte) zu bewahren. Was habe ich mir schon alles ausgedacht habe, konnte aber auch gute Ansätze selbst nicht konsequent durchführen. Ich war nicht fähig Grenzen zu setzen (und habe mich sehr dafür verurteilt).
    Zur Frage, ob es nicht etwas mit mir selber zu tun hat, kann ich nur ganz laut „JA“ sagen. Ich möchte es nicht nochmal ertragen müssen, dass es ihr so schlecht geht wie mir damals in der Schule und tue es doch seit vielen Jahren :o(.
    Ich habe manchmal das Gefühl mit ihr symbiotisch verbunden zu sein. Hier besteht keine Grenze zwischen uns, dass habe ich durch deinen Artikel begriffen.
    Das tut ihr nicht gut und mir auch nicht.
    Ich bin seit 2 Jahren bei einer Traumatherapeutin, aber das Thema Hochsensibilität und der damit verbundenen häufigen Grenzüberschreitungen, war leider noch nie ein Thema.
    Kannst Du mir einen Tipp geben, wie ich gefühlsmäßig mehr Abstand bekomme und meine Grenze einhalten kann?
    Vielen Dank für diesen guten Artikel!
    Herzliche Grüße
    Susanne

    Nochmals vielen Dank für den Artikel, er hat einiges in Gang gesetzt.

    • Hallo Susanne,

      vielen Dank für Deinen bewegenden und sehr ehrlichen Bericht! Du beschreibst genau das, was ich im Artikel gemeint habe. Es kann sein, dass das bei Dir nicht nur mit der Hochsensibilität zu tun hat, sondern auch mit Deinem Trauma. Oft sind traumatische Erfahrungen ja auch etwas, wogegen man sich nicht abgrenzen konnte. D.h. viele Traumatisierte haben eben auch ein Problem mit Abgrenzung. Du kannst das durchaus einmal in Deiner Therapie thematisieren.

      Ansonsten würde ich Dir raten, Dir systematisch klar zu machen, was im Fall Deiner Tochter „Deins“ und „Ihres“ ist. Wir haben niemals die volle Kontrolle über andere Menschen. Zwar können wir ihnen das bestmögliche anbieten, aber es bleibt ihre Entscheidung, ob und wie sie das annehmen. Wichtig ist also, dass Du das bestmögliche für Deine Tochter tust. Aber sie lebt ihr Leben, auf das Du nur bedingt Einfluss hast.

      Du kannst auch einmal in Dich hineinspüren, wie und wo Du das Bild Deiner Tochter abgespeichert hast. Dieses Bild kannst Du ein wenig weiter weg zoomen, einen Rahmen darum machen, es etwas kleiner machen, etc. Immer überprüfen, ob sich das besser anfühlt, ansonsten rückgängig machen. Dann spüre in Dich hinein, so dass Du Dich gut spürst, und betrachte wieder das Bild Deiner Tochter. Versuche, auf einer emotionalen Ebene genau zu spüren, wie Du Dich anfühlst und wie sie sich anfühlt. So kannst Du deutlicher zwischen ihr und Dir differenzieren.

      Ich hoffe, diese Tipps helfen Dir ein wenig weiter! Und falls Du noch Fragen hast, immer gern. 🙂

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

    • Liebe Susanne,

      falls Sie nach so langer Zeit vielleicht nochmal hier lesen sollten:

      versuchen Sie mal, sich eine liegende Acht vorzustellen. In den einen Kreis setzen Sie sich visuell hinein, und in den anderen setzen Sie Ihre Tochter. Wenn es sich gut anfühlt, dann verinnerlichen Sie das Bild mit dem verbundenen Gefühl, daß jeder von Ihnen ein eigenes Leben hat, ein eigenständiger Mensch ist, individuelle Bedürfnisse hat und sich wünscht, respektiert zu werden in seinem Sein.

      Sie wünschen sich das genauso wie Ihre Tochter es sich von Ihnen wünscht. Nur weil Sie die Mutter sind, gibt Ihnen dies nicht das Recht, die Grenze ihrer Tochter zu mißachten – auch wenns noch so gut gemeint ist. Solange Ihre Tochter Sie nicht selbst um Hilfe bittet, lassen Sie sie einfach mal selber machen. Es gibt keine Fehler, es gibt nur Erfahrungen.

      Es zeugt auch von Liebe und Respekt, wenn man einem geliebten Menschen sein Recht auf eigene Erfahrungen zugesteht, auch wenn es vielleicht leidvolle Erfahrungen sind. Letztlich erwächst daraus etwas Wertvolles für das Leben Ihrer Tochter, denn aus den schmerzlichen oder schwierigen Erfahrungen im Leben lernt man am meisten.
      Sie ermöglichen ihr dadurch wertvolles Wachstum ihrer Persönlichkeit, das die stärker machen wird.
      Und Sie berauben sie dieser Chance, wenn Sie sie weiterhin in Watte packen, ständig bei allem helfen und ihr Dinge abnehmen und ersparen wollen, die vielleicht schwierig und leidvoll werden könnten.
      Woher wollen Sie überhaupt wissen, wie Ihre Tochter mit negativen Erfahrungen umgehen würde? Sie schließen einfach von sich selbst auf sie. Das muß aber nicht so sein.

      Versuchen Sie bitte, ihr zu vertrauen und mehr zuzutrauen!
      In der liegenden Acht haben Sie beide ihren eigenen geschützten Lebensbereich, können sich aber trotzdem sehen und an der Hand halten – wenn Sie beide dies möchten.

      Ich würde Ihnen empfehlen, dieses Experiment mal ganz real gemeinsam mit Ihrer Tochter zu machen (mit einem Band einen Kreis legen und reinstellen oder reinsetzen) und es sie selbst entscheiden lassen, in welchem Abstand sie den Kreis legen will, um sich wohlzufühlen. Und egal wie groß der Abstand ist, respektieren Sie ihn ohne ihr dafür ein schlechtes Gewissen zu vermitteln.

      Alles Gute!
      Ramona

    • Liebe Ramona,

      danke Dir für Deine Ergänzungen!

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ihre E-Mail-Adresse: