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Hochsensibilität und Perfektionismus — 8 Kommentare

  1. Liebe Anne-Barbara,

    mich erreicht dieser Artikel im passenden Moment – woher wusstest Du? Dazu weiter unten…

    Mit dem “Perfektionismus” wie Du ihn oben differenzierst, beschäftige ich mich schon sehr lange. Seit ich den Begriff HSP in meinem Leben habe, sehe ich eine weitere Differenzierung, die ich in den letzten Jahren verifizierte und gerade in den letzten Monaten bemerke ich, wie viel Bedeutung diese Variante in meinem Alltag einnimmt.

    Perfektionismus möchte ich wie Du nicht grundsätzlich als etwas pathologisches einstufen – aber es gibt dann aus meiner Sicht noch Komplexität, wenn man den Begriff Vollkommenheit mit in die Betrachtung einbezieht.

    Durch das Erkennen (zwangsweise, weil als HSP nicht abschaltbar) von Perfektionismus (in den Formen wie oben) in meinem sozialen Umfeld oder spontanen Kontakten und viel Selbstreflexion komme ich zu dem Schluß, daß bei HSP anstelle des Perfektionismus-Begriff ggf. auch der dringende Wunsch oder gar Zwang nach Vollkommenheit anzuwenden wäre oder angewendet werden muß.

    Beispiele, die das vielleicht besser verständlich machen:
    Wenn ich ein Bild schief hängen sehe, ein Lichtschalter schräg montiert ist – dann ist es kein Perfektionismus, das korrigieren zu müssen. Viele Menschen haben kein gutes Augenmaß und nehmen das vielleicht gar nicht war oder sind, bei einen schrägen Horizont im Foto des Traumsonnenuntergangs im Urlaub nicht irritiert. Für mich sind diese Schräglagen auch kein Pfusch oder “not finished, but done” – es ist einfach nur “nicht richtig” im Sinne von Vollkommen. Eine schief eingebaute Tür, die auf- oder zuläuft ist nicht nur Alltagsärger sondern kann auch Indiz für die Oberflächlichkeit des Handwerkers sein. Aber vor allem ist es nicht dem entsprechend, wofür die Tür auch da ist… obwohl die Grundfunktion nicht verhindert ist.

    In der Natur sind die Dinge nur dann von Dauer (im Sinne der Reproduktion), wenn es gerade genügt = Vollkommen ist. Spontane Mutation (= Fehler oder Oberflächlichkeit) wird nur dann nicht mit Totalausfall (diese Mutation lebt nicht weiter) quittiert, wenn es eine hinreichende neue Form des bisherigen ist.

    Daher unterstelle ich, daß genau diese grundlegende Prinzip der Natur auch das ist, was in HSP zu diesem grundsätzlichen Wunsch nach Vollkommenheit wirkt.

    • Lieber Henry,

      danke dir für deine Zeilen! Wichtig ist, dass man durch das Streben nach Vollkommenheit erstens selbst keinen Stress, sondern Freude hat, und zweitens die Grenzen anderer dabei respektiert, d.h. dass ich mein Streben nach Vollkommenheit auf meinen Einflussbereich richte und anderen ihren Raum lasse.

      In der Natur scheint vieles vollkommen, obwohl es das nicht ist. Z.B. gibt es bei Katzen eine Zahnkrankheit namens Forl, bei der die Zähne erwachsener Tiere sich abbauen, weil ein Programm weiter aktiv ist, das eigentlich nur für die Entfernung der Milchzähne zuständig ist. Zunächst dachte man, das beträfe nur Hauskatzen, später hat man in freier Wildbahn Löwen gefunden, die daran verstorben sind. Das macht der Natur aber nichts aus, weil die Katzen alt genug werden, um sich ausreichend fortzupflanzen. Diese Art Beispiele lassen sich unendlich fortsetzen…

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

  2. Warum ist Dein Blogartikel nun gerade passend?

    In den letzten Monaten nimmt offenbar meine Elastizität ab, anderen Menschen ihre Unvollkommenheit ertragen zu können. Sicher ist es auch der zunehmenden generellen Belastung zuzuschreiben, die man trotz vielleicht maximal möglicher Distanz zu den vielen schweren Themen unserer Zeit erfahren muß.
    “Abgrenzung” ist immer ein großes Thema für mich und sicher für viele Mitleser.

    Jedoch ist es vielleicht auch genau dies: Je mehr die gefühlte Nachlässigkeit der Mitmenschen im Kopfkino für die vielen Aufgaben unserer Zeit als Ursache oder verschärfend empfunden werden kann (ja, ich differenziere viel) oder es dann auch mal direkt ist – um so schwerer wird es, diesen Unmut nicht auch zu vermitteln.

    So beobachte ich mich dabei, wenn ich innerlich zu köcheln beginne, wenn jemand etwas nicht “gut” im Sinne von Vollkommen macht.

    Beispiele dazu sind, Dinge mit der Vorsicht zu verwenden, die verhindert, es länger zu benutzen. Ganz einfach zählt dazu schon, ein Buch mit einem Lesezeichen zu verwenden, wenn man Lesepause hat (und es nicht rücklings auf den Tisch zu legen).

    Daher, liebe Anne-Barbara, komme ich nach vielen Antwortzeilen zu Deinem Artikel nun zum (ersten) Ende meiner Gedankenniederschrift.

    Wenn der eigene Perfektionismus oder Wunsch/Zwang nach Vollkommenheit nicht nur einen mit einem selbst beschäftigt, sondern auch oder gar umso mehr (intensiver) als Trigger bedient wird, kommt eine weitere Problematik für HSP in den Fokus. Und zumindest ich muß schreiben, daß mir dies mehr Ressourcen nimmt, als das, was ich im Innenverhältnis damit zu bewältigen habe.

    Herzliche Grüße
    Henry

    • Lieber Henry,

      tut mir leid, dass dir das mehr Ressourcen nimmt, als das, was du im Innenverhältnis damit zu bewältigen hast! Vielleicht würde es doch Sinn für dich machen, einmal hinter die Kulissen des Vollkommenheitsstrebens zu sehen und zu schauen, was an Motivation wirklich dahinter steckt. Denn wenn es dein ureigener Antrieb, frei von Ängsten und erlernten Vorstellungen wäre, hättest du mehr Freude daran.

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

  3. Ist schon auffällig, wie klar, wie verständlich für mich als Laien und wie wertschätzend auch gegenüber weniger hoch wahrnehmungsgetakteten Menschen jeder einzelne Artikel geschrieben ist!
    Dieser Artikel beschreibt wie ein Fraktal den ästhetischen Anspruch mit dem der Blog aufgezogen ist.
    Bin ein Fan!

    • Lieber Simon,

      wow, danke dir für dein sehr nettes Feedback, über das ich mich ganz außerordentlich freue! :-)

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

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Anne-Barbara Kern