Hochsensibel? 90 Symptome, die du unbedingt kennen solltest

Wenn ich hochsensibel bin – welche Symptome sind damit verbunden? Diese Frage wird mir hĂ€ufig gestellt und es ist eine wichtige Frage! Denn, je besser du weißt, welche deiner Eigenschaften mit HochsensibilitĂ€t zu tun haben, umso besser kannst du dich selbst verstehen und dich so annehmen, wie du bist. In meinen Kursen und Coachings fĂ€llt mir immer wieder auf, dass den Hochsensiblen bei vielem, was sie an sich selbst wahrnehmen, nicht bewusst ist, dass dies mit ihrer Veranlagung zu tun hat. Dann gibt es immer ein großes „Hallo“ – ach, auch das ist ein Anzeichen der HochsensibilitĂ€t? Diese Erkenntnisse haben sich fĂŒr die Betroffenen als enorm hilfreich erwiesen, da sie das, was in ihnen vor sich geht, viel besser einordnen können. Daraufhin stellen sie dann fest, dass sie einfach nur „ganz normal hochsensibel“ sind und nicht irgendwie seltsam oder verrĂŒckt
 Deshalb werde ich in diesem Blog-Artikel einmal alle Symptome, die mir in meiner langjĂ€hrigen Berufserfahrung als Coach fĂŒr hochsensible Menschen (seit 2012) begegnet sind, auflisten, um sie fĂŒr jede*n zugĂ€nglich zu machen.

Achtung: Diese Liste ist auf VollstĂ€ndigkeit bedacht und umfasst das, was mir in den letzten 10 Jahren an Symptomen bei hochsensiblen Erwachsenen begegnet ist. NatĂŒrlich heißt das nicht, dass du all diese Symptome aufweisen wirst. HochsensibilitĂ€t kann sich individuell sehr unterschiedlich ausprĂ€gen: Z.B. sind viele Hochensible Personen (in der Folge abgekĂŒrzt mit HSP) sehr lĂ€rmempfindlich, wĂ€hrend ich aber auch welche kenne, die ohne Gehörschutz auf Heavy-Metal-Konzerte gehen. Es geht hier vielmehr darum, dass du deine besonderen Eigenarten wiederfindest und ein GefĂŒhl fĂŒr deine persönliche AusprĂ€gung der HochsensibilitĂ€t bekommst.

Die 4 Grund-Symptome der HochsensibilitÀt

Dr. Elaine N. Aron, BegrĂŒnderin der HochsensibilitĂ€tsforschung, hat ein sehr nĂŒtzliches Modell entwickelt, das die grundsĂ€tzlichen Charakteristika hochsensibler Menschen beschreibt. Es nennt sich „DOES“-Modell und verweist auf folgende SchlĂŒsselsymptome sensibler Menschen:

Das DOES-Modell von Elaine N. Aron

D depth of processing Verarbeitungstiefe
O overstimulation Überstimulation
E emotional reactivity and empathy emotionale ReaktionsfÀhigkeit und Empathie
S sensing the subtle ErfĂŒhlen des Subtilen, FeinfĂŒhligkeit

Die neuere Hirnforschung bestĂ€tigt Arons DOES-Modell (s. Quellenangaben unten): Vieles deutet darauf hin, dass hochsensible Menschen mehr Botenstoffe im Gehirn bilden. Dadurch arbeitet ihr Gehirn aktiver. Die Reizschwelle sinkt, wodurch mehr Informationen ins Bewusstsein vordringen und auch noch sehr subtile Dinge empfunden werden können. Dies kann dann zu Überstimulation (auch ReizĂŒberflutung oder Überreizung genannt) fĂŒhren, einfach, weil die Festplatte hochsensibler Menschen dadurch schneller voll ist.

Das Mehr an Botenstoffen fĂŒhrt sowohl im Denken als auch im FĂŒhlen zu einer erhöhten GehirnaktivitĂ€t: Die Verarbeitungstiefe von Informationen ist erhöht, ebenso das FĂŒhlen, die EmotionalitĂ€t. Wer mehr Informationen ĂŒber andere hat und dabei viel fĂŒhlt, ist natĂŒrlich in der Folge auch besonders empathisch.

Die weiteren Symptome der HochsensibilitÀt lassen sich gut aus diesem grundlegenden DOES-Modell ableiten bzw. dadurch erklÀren.

Hochsensibel, hochsensitiv oder hypersensibel?

Oft ist unklar, ob sich die Symptome der HochsensibilitĂ€t von denen der HochsensitivitĂ€t unterscheiden. Das liegt daran, dass beide Begriffe schwer voneinander abzugrenzen sind. Meist werden „hochsensibel“ und „hochsensitiv“ jedoch einfach als Synonyme verwendet.

Doch einige Autor*innen schreiben „HochsensibilitĂ€t“ und „HochsensitivitĂ€t“ auch unterschiedliche Symptome, Eigenschaften und Anzeichen zu. Als hochsensibel definieren diese Autor*innen Menschen, die gemĂ€ĂŸ der o.g. DOES-Symptome besonders sensibel sind. HochsensitivitĂ€t wird so definiert, dass als zusĂ€tzliche Symptome noch Vorahnungen, außersinnliche Wahrnehmungen, Hellsehen, Aura-Sehen und weitere PSI-FĂ€higkeiten dazukommen.

Ich persönlich wĂŒsste nicht, wo genau ich die Grenze zwischen HochsensibilitĂ€t und HochsensitivitĂ€t ziehen sollte. Die meisten Hochsensiblen haben durchaus Erlebnisse, die vom Verstand her nicht erklĂ€rbar sind. Sie trĂ€umen z.B. bestimmte Ereignisse voraus, haben das GefĂŒhl, in Kontakt mit Verstorbenen zu sein oder erinnern sich an frĂŒhere Leben. NatĂŒrlich ist das bei manchen stĂ€rker, bei manchen schwĂ€cher ausgeprĂ€gt. Ich ziehe es vor, beides synonym zu verwenden.

Sind HSP hyper-sensibel? Oft wird auch der Begriff der HypersensibilitĂ€t als Synonym zur HochsensibilitĂ€t verwendet. Doch ich denke nicht, dass Hochsensible „zu sensibel“ oder â€žĂŒbersensibel“ sind und verwende deshalb den Begriff der HypersensibilitĂ€t nicht.

Hochsensibel? Die körperlichen Symptome

HochsensibilitÀt ist also die Folge einer genetischen Veranlagung, die unser Gehirn aktiver macht, mit allen Vor- und Nachteilen, die dies mit sich bringt. Es handelt sich dabei also nicht um eine rein psychische Angelegenheit, sondern es liegen handfeste körperliche Ursachen vor.

Deswegen beschrĂ€nkt sich HochsensibilitĂ€t auch nicht auf die Psyche, sondern fĂŒhrt ebenfalls zu körperlichen Symptomen. Denn auch die Körperwahrnehmung und die körperliche Empfindsamkeit sind bei sensiblen Menschen erhöht.

Körperliche Symptome der HochsensibilitÀt
  • GerĂ€uschempfindlichkeit, LĂ€rmempfindlichkeit
  • Hyperakusis
  • Lichtempfindlichkeit
  • Stoffe kratzen auf der Haut, Etiketten mĂŒssen aus der Kleidung geschnitten werden
  • BerĂŒhrungsempfindlichkeit; manchmal können sogar ZĂ€rtlichkeiten, die eben noch als schön empfunden werden, zu ReizĂŒberflutung fĂŒhren.
  • Geruchsempfindlichkeit, besonders gegen kĂŒnstliche Duftstoffe
  • UnvertrĂ€glichkeiten bestimmter Nahrungsmittel (Gluten- und Histamin-SensitivitĂ€t, Lactose-Intoleranz etc.)
  • Neigung zu Allergien
  • Reizmagen, Reizdarm
  • Schmerzen werden oft stĂ€rker empfunden (Schmerzempfindlichkeit).
  • MedikamentenunvertrĂ€glichkeit oder dass bei HochsensibilitĂ€t Medikamente niedriger dosiert werden mĂŒssen
  • Hochsensible vertragen Alkohol und Kaffee oftmals schlechter.
  • 80% aller HSP leiden unter MigrĂ€ne oder hatten zumindest bereits ein paar MigrĂ€ne-AnfĂ€lle: dazu mein Blog-Artikel HochsensibilitĂ€tsgen von der MigrĂ€neforschung gefunden?
  • Hunger wird als unertrĂ€glich empfunden.
  • Starke Körperwahrnehmungen, die andere nicht haben: Z.B. von Herzschlag, Blutdruck etc.

Emotionale HochsensibilitÀt

Alles, was wir fĂŒhlen, wird ĂŒber unseren Botenstoffwechsel im Gehirn vermittelt. Ein erhöhter Botenstoffwechsel fĂŒhrt deswegen auch zu einer erhöhten EmotionalitĂ€t, im Positiven wie im Negativen. Wir sind also auch emotional sehr sensibel! Im DOES-Modell von Elaine N. Aron wird dies durch das E beschrieben, unsere emotionale ReaktionsfĂ€higkeit.

So kann bei feinfĂŒhligen Menschen das GĂ€nseblĂŒmchen am Wegrand schon grĂ¶ĂŸte Freude hervorrufen, wĂ€hrend der sterbende KĂ€fer daneben uns zu TrĂ€nen rĂŒhrt. Insgesamt verfĂŒgen wir also ĂŒber eine hohe emotionale Beweglichkeit! Hier die emotionalen Symptome:

Emotionale Symptome der HochsensibilitÀt
  • GefĂŒhle werden tiefer empfunden, sowohl die angenehmen als auch die unangenehmen.
  • HSP werden oft von ihren GefĂŒhlen ĂŒberwĂ€ltigt! Manche beklagen sogar, sie wĂŒrden zu viel fĂŒhlen. Oft wird Hochsensiblen auch eine emotionale Überempfindlichkeit (ÜberemotionalitĂ€t) vorgeworfen. Doch das ist falsch! Wer sagt denn, wir seien „zu sensibel“? Vielleicht sind ja die anderen zu wenig sensibel! Lass dich also von solchen Aussagen nicht verunsichern. Es ist wunderbar, wenn du gefĂŒhlvoll bist!
  • hohe emotionale Beweglichkeit bis hin zu Stimmungsschwankungen
  • nah am Wasser gebaut – viele feinfĂŒhlige Menschen weinen schnell und leicht
  • Krimis, Thriller, Horrorfilme und schlechte Nachrichten im TV werden von Hochsensiblen oft schlecht vertragen. Sollte das bei dir der Fall sein, meide solche Sendungen!
  • Neigung zu Aufregung im Positiven wie im Negativen
  • erhöhte Verletzlichkeit; s. dazu meinen Blog-Artikel HochsensibilitĂ€t und Verletzlichkeit
  • starkes Wahrnehmen von Stimmungen
  • fĂŒhlen, was andere fĂŒhlen
  • Unter Stress kann es bei bestimmten Hochsensiblen (auch bei Erwachsenen!) zu WutanfĂ€llen  und Aggressionen kommen, zu Ausrastern, die sie hinterher bereuen.
  • Bei anderen hochsensiblen Personen kann es auch zu gehemmter Aggression kommen, sodass sie sich zu wenig wehren und abgrenzen; s. meinen Blog-Artikel HochsensibilitĂ€t, Abgrenzung und Aggression
  • Viele HSP haben eine erhöhte Intuition mit Vorahnungen bis hin zu hellsichtigen Momenten.
  • Aufgrund der erhöhten EmotionalitĂ€t besteht eine Neigung, Dinge persönlich zu nehmen und die Schuld bei sich zu suchen; dazu mein Blog-Artikel Hochsensibel? In drei Schritten aus der Opferrolle!
  • Fehler und Unstimmigkeiten werden stĂ€rker empfunden und deutlicher wahrgenommen. Dies fĂŒhrt zu einem gewissen Perfektionismus; dazu mein Blog-Artikel HochsensibilitĂ€t und Perfektionismus

ReizĂŒberflutung und erhöhte StressanfĂ€lligkeit

Unsere erniedrigte Reizschwelle fĂŒhrt dazu, dass wir weniger Information ausfiltern und mehr davon in unserem Bewusstsein landet. Das ist einerseits ein Vorteil, denn dadurch wissen und empfinden zartbesaitete Menschen mehr als andere.

Doch andererseits ist diese Reizempfindlichkeit auch ein Nachteil, denn wir neigen deswegen stĂ€rker als der Bevölkerungsdurchschnitt dazu, in ZustĂ€nde der ReizĂŒberflutung zu geraten. Das fĂŒhrt zu Stress. WĂ€hrend viele andere Symptome auch angenehm sein können oder sogar als Gabe zu sehen sind, ist unsere erhöhte StressanfĂ€lligkeit das Hauptproblem hochsensibler Menschen. Hier die wichtigsten Symptome der Überreizung, auch Überstimulation genannt:

Symptome der ReizĂŒberflutung und der erhöhten StressanfĂ€lligkeit
  • HSP fĂŒhlen sich schneller ĂŒberfordert, gestresst und/oder genervt.
  • MĂŒdigkeit, Erschöpfung, Abgeschlagenheit
  • Überforderung im Alltag
  • Große Gruppen und Feste ĂŒberfordern, weil dort die ReizĂŒberflutung schneller einsetzt.
  • Oft bleibt kaum noch Kraft fĂŒr FreizeitaktivitĂ€ten.
  • Vermeidungsverhalten aus Sorge, etwas könnte zu viel werden
  • innere Unruhe
  • Ab einem gewissen Stresslevel kann es bei Hochsensiblen zu Ängsten bis hin zu Panikattacken und Angststörungen kommen.
  • Stress fĂŒhrt zu körperlichen Symptomen wie Verdauungsproblemen, Herzrasen, etc.
  • Dinge, die eben noch Freude bereitet haben, werden plötzlich zu viel.
  • Auch plötzlich auftretende Konzentrationsschwierigkeiten können ein Hinweis auf ReizĂŒberflutung sein.
  • Aufgrund ihrer grĂ¶ĂŸeren StressanfĂ€lligkeit haben Hochsensible ein erhöhtes Risiko fĂŒr Krankheiten wie Burnout, Depression, Herzkreislauf- und weitere stressbedingte Erkrankungen.

Wenn du dich in diesen Kennzeichen der HochsensibilitĂ€t besonders wiederfindest, wĂŒrde ich dir dringend raten, etwas dagegen zu unternehmen! Denn ein Leben im Dauerstress kann auf lange Sicht sehr ungesund fĂŒr dich werden. Ich erlebe dies immer wieder bei meinen Ă€lteren Klient*innen, die erst spĂ€t von ihrer Veranlagung erfahren und sich teils jahrzehntelang ĂŒberfordert haben. Da entwickelt sich dann alles mögliche, von Burnout ĂŒber Herzerkrankungen bis hin zu Krebs.

Deswegen wĂŒrde ich dir unbedingt raten, meinen gratis Online-Kurs „70% weniger Stress in 2 Wochen“ zu machen. Dort findest du Lösungen fĂŒr unsere erhöhte StressanfĂ€lligkeit, das Hauptproblem hochsensibler Menschen. Ich gebe dir ein solides Starter-Kit mit, um mit deiner HochsensibilitĂ€t gesund zu leben:

Symptome der mentalen HochsensibilitÀt

In Elaine N. Arons DOES-Modell sind wir hier beim D wie „depth of processing“: Hochsensible Personen verarbeiten Informationen grĂŒndlicher und tiefgehender als der Bevölkerungsdurchschnitt. Sie sind dadurch in der Lage, vorausschauender und nachhaltiger zu denken.

Diese mentale HochsensibilitĂ€t ist eindeutig eine unserer großen QualitĂ€ten! Doch oftmals werden wir mit unseren Gedanken dann nicht verstanden, oder wir bekommen vorgehalten, wir wĂŒrden „zu viel“ denken. Doch ich glaube nicht, dass die Welt daran krankt, dass Menschen zu viel nachgedacht haben! Es loht sich also, dich mit deinen guten und nachhaltigen Ideen auch durchzusetzen. Wie du das schaffst, erfĂ€hrst du in meinem Blog Artikel Hochsensibel? So behauptest du dich mit deinen guten Ideen!

Hochsensible Merkmale des Denkens und der erhöhten Verarbeitungstiefe
  • HSP brauchen lĂ€nger, bis sie etwas grĂŒndlich durchgedacht haben. Deswegen fĂ€llt ihnen oft erst im Nachhinein ein, was sie hĂ€tten sagen sollen. Die Lösung: Sag es einfach im Nachhinein trotzdem noch!
  • Empfindsame Menschen haben ein großes BedĂŒrfnis danach, Dingen auf den Grund zu gehen und sie wirklich bis in die Tiefe zu verstehen. Nimm dir die Zeit dafĂŒr und lass dir das nicht ausreden, auch wenn das fĂŒr andere unbequem sein mag!
  • Die Kehrseite der Medaille ist, dass HSP auch dazu neigen, ins GrĂŒbeln zu geraten und sich zu viele Sorgen zu machen. Das Gedankenkarussell will dann nicht mehr aufhören, sich zu drehen. Wir kommen nicht zur Ruhe und ĂŒberfordern uns weiter. Mehr dazu in meinem Blog-Artikel Hochsensibel? In 5 Schritten aus der GrĂŒbel-Falle!
  • Es kann auch vorkommen, dass wir zu viel auf einmal im Kopf haben und dann den Blick fĂŒr das Wesentliche verlieren.

Symptome der gesteigerten Empathie

Im DOES-Modell sind wir hier beim E wie hohe Empathie. Denn dadurch, dass hochsensible Menschen mehr von anderen mitbekommen und emotional stÀrker darauf reagieren, sind viele von ihnen hochempathisch.

Auch dieses Kriterium der HochsensibilitĂ€t ist eindeutig eine unserer großen QualitĂ€ten! Wir dĂŒrfen es nur damit nicht ĂŒbertreiben und uns gar ausnutzen lassen.

Symptome der hohen Empathie
  • ĂŒberdurchschnittlich große Hilfsbereitschaft
  • Der große Gerechtigkeitssinn hochsensibler Menschen ist legendĂ€r und ist sicher eine Folge der hohen Empathie.
  • große Gewissenhaftigkeit, da HSP stets das Große Ganze im Blick haben und sich der Auswirkungen ihrer Handlungen bewusst sind
  • Die Empathie kann bei feinfĂŒhligen Menschen so stark ausgeprĂ€gt sein, dass sie geradezu schmerzhaft ist und als zu viel empfunden wird.
  • Viele HSP neigen dazu, sich ausnutzen zu lassen, weil sie aus Empathie bereit dazu sind, große Opfer zu bringen.
  • Hochsensible Persönlichkeiten haben eine erhöhte Neigung, ein Helfersyndrom zu entwickeln.
  • Zartbesaitete nehmen mehr UnglĂŒck und Probleme der Welt wahr als der Bevölkerungsdurchschnitt. Übernehmen sie fĂŒr all das auch die Verantwortung, werden sie zu „Weltenrettern“, die sich heillos ĂŒberfordern. Mache dir bitte klar, dass du nicht alles, was du an Schwierigkeiten wahrnimmst, auch in Ordnung bringen kannst!

Abgrenzung muss erst bewusst gelernt werden

Dadurch, dass HSP so empathisch sind und vieles wahrnehmen, was andere fĂŒhlen, können sie sich von Natur aus erst einmal nicht abgrenzen. Alle HSP, die ich in den letzten zehn Jahren kennengelernt habe, mussten Abgrenzung erst bewusst lernen!

Wie auch du Abgrenzung lernen kannst, erfÀhrst du in meinem Blog-Artikel In drei Schritten zu mehr Abgrenzung bei HochsensibilitÀt.

Symptome fehlender Abgrenzung bei HochsensibilitÀt
  • Viele HSP können nur schlecht nein sagen und ĂŒberfordern sich, indem sie sich zu viel aufladen.
  • Es fĂ€llt schwer, sich gegen Übergriffe zu wehren.
  • Viele Empfindsame neigen dazu, sich in Gegenwart anderer oder bestimmter Menschen selbst zu verlieren.
  • 80% aller HSP sind ĂŒberangepasst: Sie bemĂŒhen sich darum, so zu funktionieren, wie es die Bevölkerungsmehrheit von ihnen zu erwarten scheint. Dies geht auf Kosten ihrer eigenen BedĂŒrfnisse!
  • FeinfĂŒhlige Menschen lassen sich leichter verunsichern und kommen dann von sich selber weg.
  • HSP mĂŒssen oft um ihre Selbstbestimmung ringen.
  • Hochsensible mĂŒssen sich ihren Selbstschutz meist erst bewusst aneignen.

HochsensibilitĂ€t und SelbstwertgefĂŒhl

Da hochsensible Menschen oftmals schon von Klein auf immer wieder vermittelt bekommen, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, fĂ€llt es ihnen nicht leicht, ein gutes SelbstwertgefĂŒhl zu entwickeln. Wie dir das dennoch gelingen kann, erfĂ€hrst du in meinem Blog-Artikel HochsensibilitĂ€t und SelbstwertgefĂŒhl.

Achte auf folgende Merkmale, denn sie können auf ein schlechtes SelbstwertgefĂŒhl hinweisen:

Indizien fĂŒr ein schlechtes SelbstwertgefĂŒhl
  • HSP neigen dazu, sich selbst stĂ€ndig zu hinterfragen, weil ihnen Fehler im allgemeinen und dadurch auch die eigenen Fehler stĂ€rker auffallen.
  • Viele lehnen ihre eigene HochsensibilitĂ€t ab.
  • Sie neigen dazu, Dinge zu tun, die ihnen schaden und die sie weiter in die Überforderung treiben.
  • Viele HSP fĂŒhlen sich unsicher.
  • Mangelnder Selbstschutz kann auch ein Symptom eines schlechten SelbstwertgefĂŒhls sein: Denn nur, wenn ich etwas wert bin, bin ich es auch wert, mich zu schĂŒtzen.
  • Viele zartbesaitete haben das GefĂŒhl, „anders“ oder irgendwie „falsch“ zu sein und nicht dazu zu gehören.
  • Intensive SchamgefĂŒhle
  • ein großer Rechtfertigungs- und SelbsterklĂ€rungsdruck, der nur dazu fĂŒhrt, dass man noch weniger verstanden wird
  • Ein schlechtes SelbstwertgefĂŒhl fĂŒhrt auch dazu, dass man sich aufgrund der HochsensibilitĂ€t benachteiligt fĂŒhlt: Man erkennt dann nur die Nachteile der eigenen Veranlagung, sieht aber deren Vorteile nicht.

HochsensibilitÀt in Beziehungen

Die HochsensibilitĂ€t bringt bestimmte Symptome mit sich, die auch die Art, wie Beziehungen gefĂŒhrt werden, bestimmen. An dieser Stelle kommen alle Punkte des DOES-Modells zum Tragen! Denn natĂŒrlich sind Verarbeitungstiefe, ReizĂŒberflutung, EmotionalitĂ€t, Empathie und FeinfĂŒhligkeit Eigenschaften, die sich stark auf das menschliche Miteinander auswirken.

Dennoch kann man Hochsensiblen keine bestimmten Charaktereigenschaften zuordnen. Wir sind grundverschieden und haben nur unsere erniedrigte Reizschwelle gemeinsam!

Hochsensibel? Verhalten von HSP in Beziehungen
  • HSP neigen dazu, eher wenige, dafĂŒr aber sehr tiefgehende Freundschaften zu pflegen.
  • Es besteht einerseits ein BedĂŒrfnis nach totaler NĂ€he, AuthentizitĂ€t und Offenheit, andererseits brauchen hochsensible Menschen aber auch immer wieder Raum fĂŒr RĂŒckzug und Regeneration. Nur in der Ruhe finden sie wieder zu sich selbst und erholen sich von der Überstimulation. Diese beiden widersprĂŒchlichen BedĂŒrfnisse gilt es besonders in der Partnerschaft gut auszubalancieren!
  • Hochsensible Persönlichkeiten tendieren dazu, anderen Menschen sehr nah zu kommen. Oft wird dies als „zu nah“ empfunden, besonders, wenn das GegenĂŒber nicht hochsensibel ist.
  • Aufgrund ihrer erhöhten Verletzlichkeit können Hochsensible auch Angst vor NĂ€he entwickeln und sich dafĂŒr entscheiden, lieber Single zu sein.
  • Wenn in Beziehungen ein Problem auftritt, haben hochsensible Menschen ein großes BedĂŒrfnis danach, dies tiefgehend und umfassend zu klĂ€ren. Damit bleiben sie oftmals unverstanden.
  • Manche HSP neigen dazu, aufgrund ihres großen HarmoniebedĂŒrfnisses Konflikten auszuweichen.
  • Andere wiederum sind aufgrund ihres hohen Gerechtigkeitssinns sehr streitbar.
  • Wenn das SelbstwertgefĂŒhl gelitten hat, können empfindsame Menschen ausgesprochen schĂŒchtern sein.

Solltest du gerade zufĂ€llig auf der Suche nach gleichgesinnten Freund*innen oder Partner*innen sein, es gibt eine Partnervermittlung speziell fĂŒr hochsensible Menschen:

Hochsensible im Beruf

Man kann nicht sagen, dass es bestimmte Berufe gibt, fĂŒr die hochsensible Menschen besonders geeignet wĂ€ren. Denn bis auf unsere erniedrigte Reizschwelle sind wir genauso verschieden wie alle anderen Menschen auch. Es sind eher bestimmte QualitĂ€ten, die Hochsensible in ihre berufliche AktivitĂ€t einbringen. Außerdem haben sie aufgrund ihrer StressanfĂ€lligkeit und der Neigung zu ReizĂŒberflutung besondere BedĂŒrfnisse, was ihren Arbeitsplatz betrifft.

Hochsensible: Eigenschaften im Beruf
  • Sensible Menschen sind gewissenhaft und detailgenau. Wo diese QualitĂ€ten geschĂ€tzt werden, sind sie am richtigen Platz.
  • Hochsensible sind sehr gut darin, Fehler aufzuspĂŒren. Deswegen fĂŒhlen sie sich in Unternehmen mit einer offenen Fehlerkultur wohl.
  • Da HSP vorausschauender und nachhaltiger denken, sollten sie auch diese QualitĂ€ten beruflich einbringen können. Sie sichern ihrem Unternehmen so eine langfristige Perspektive.
  • Viele sehr sensible Menschen sind ausgesprochen kreativ, kĂŒnstlerisch und musisch begabt. Diese KreativitĂ€t sollten sie beruflich in irgendeiner Form einbringen können.
  • GroßraumbĂŒros sind fĂŒr zartbesaitete Menschen unertrĂ€glich. Sie leiden dort schrecklich unter ReizĂŒberflutung.
  • Hochsensible sind qualitativ leistungsfĂ€higer als andere, quantitativ aber weniger leistungsfĂ€hig. Das heißt, sie können oft Dinge schaffen, die andere gar nicht hinbekommen, benötigen dafĂŒr aber mehr Pausen.
  • FĂŒr viele HSP ist eine selbststĂ€ndige TĂ€tigkeit ideal, weil sie sich so die Bedingungen schaffen können, die sie brauchen. Ob das bei dir auch der Fall ist, erfĂ€hrst du in meinem Blog-Artikel Hochsensibel – selbstĂ€ndig oder angestellt? Mache den Test!

Besondere BedĂŒrfnisse hochsensibler Menschen

Aufgrund der DOES-Charakteristika ergeben sich fĂŒr HSP einige besondere BedĂŒrfnisse, die fĂŒr ihre Gesundheit ausgesprochen wichtig sind. Denn ihre erhöhte StressanfĂ€lligkeit kann sie sonst auf die Dauer krank machen.

Besondere BedĂŒrfnisse bei HochsensibilitĂ€t
  • HSP benötigen mehr Pausen. Ihr Gehirn ist aktiver und muss sich deswegen öfter regenerieren.
  • Hochsensible Menschen brauchen ausreichend Zeit fĂŒr sich, um wieder zu sich selbst zu kommen und ihre intensiven EindrĂŒcke zu verarbeiten.
  • Viele empfindsame Menschen berichten auch ĂŒber einen erhöhtes SchlafbedĂŒrfnis. Minimum sind 7 Stunden pro Nacht, es dĂŒrfen aber auch gern 8 oder mehr sein.
  • RegelmĂ€ĂŸige Mahlzeiten mit ausreichend Protein helfen dem hochaktiven Gehirn dabei, den Botenstoffwechsel aufrecht zu erhalten. Mehr dazu in meinem Blog-Artikel 5 Bausteine einer gesunden ErnĂ€hrung fĂŒr hochsensible Menschen

Dein persönliches HochsensibilitÀts-Profil

Noch eine Anregung zum Abschluss: Erstelle dir doch einfach dein persönliches HochsensibilitĂ€ts-Profil! Kopiere dir dazu alle Symptome, die auf dich zutreffen, in ein eigenes Dokument. So hast du eine Übersicht, wie dein Hochsensibel-Sein ausgeprĂ€gt ist.

Achte darauf, welche besonderen BedĂŒrfnisse sich daraus ergeben und berĂŒcksichtige diese in deinem Alltag! So kannst du auch als „high sensitive person“, wie Elaine N. Aron uns nennt, ein glĂŒckliches und gesundes Leben fĂŒhren.

Sollten dir noch weitere Merkmale, Anzeichen und Symptome der HochsensibilitÀt einfallen, schreib mir doch bitte einen Kommentar! Ich nehme das dann ggf. noch in den Artikel auf.

Und wenn du bestimmte Eigenschaften an dir entdeckst, die dir besonders auffallen, versuche doch einmal, das DOES-Modell darauf anzuwenden. Vielleicht findest du so heraus, dass auch dieses Anzeichen etwas mit deiner HochsensibilitÀt zu tun hat! So brauchst du nicht alles auswendig zu wissen, sondern kannst deine Hochsensibel-Symptome einfach selbst herleiten.

Über die Autorin

Dr. phil Anne-Barbara Kern
Dr. phil. Anne-Barbara Kern begann ihre berufliche Laufbahn als Gesangscoach und arbeitete spĂ€ter als freiberufliche Kunsthistorikerin. Seit 2012 ist sie als Coach fĂŒr hochsensible Menschen tĂ€tig und hilft diesen dabei, ihr Potenzial auf die Erde zu bringen. Auf ihrem beliebten Blog informiert sie umfassend zum Thema HochsensibilitĂ€t und ist dadurch einem breiten Publikum bekannt. Außerdem gibt sie Einzelcoachings und Kurse.

Quellenangaben

DOES-Modell:

https://sensitiveevolution.com/sensitive-evolution-library/does-model-elaine-aron/

Erhöhter Botenstoffwechsel bei HochsensibilitÀt:

Aron, Elaine N.: HochsensibilitĂ€t in der Liebe, MĂŒnchen 2006; im Vorwort schreibt die Autorin ĂŒber Gene, die den Botenstoffwechsel erhöhen

Göbel, Hartmut: Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und MigrÀne, Heidelberg 2012, s. meinen Blog-Artikel HochsensibilitÀtsgen von der MigrÀneforschung gefunden?

Pluess, Michael u.a.: 5-HTTLPR moderates effects of current life events on neuroticism: Differential susceptibility to environmental influences, 2010,

Pluess, Michael u.a.: Childhood Quality Influences Genetic Sensitivity to Environmental Influences across Adulthood: A Life-Course Gene-Environment Interaction Study, 2017

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26 Gedanken zu „Hochsensibel? 90 Symptome, die du unbedingt kennen solltest“

  1. Liebe Anne-Barbara!

    Vor Jahren bin erstmalig durch eine Suchmaschine auf einem Blog-Artikel hier angekommen. Sehr viele BeitrĂ€ge ĂŒber HSP habe ich hier oder anderorts gelesen, auch ungezĂ€hlte BĂŒcher.
    Seinerzeit hatte es mein Leben verĂ€ndert. Es war sehr bedeutend – teilweise beruhigend aber auch beĂ€ngstigend – fĂŒr mich zu erkennen, mit etlichen der oben von Dir benannten Symptomen nicht allein zu sein. Sich das nicht einzubilden oder irgendwo in Richtung VerrĂŒckt bzw. psychotisch zu sein.

    Diesen neuen Artikel habe ich heute mehrfach mit Pausen gelesen und bin *immer noch* nicht durch – also ich meine: Es ist so eine Essenz, daß mein Gehirn tatsĂ€chlich Stunden braucht, um diese schier unendliche Menge an Details verarbeiten zu können. Ich werde ihn noch einige Male lesen mĂŒssen …

    FĂŒr Mitleser fĂŒge ich erste Gedanken an:

    HSP haben ein anderes Betriebssystem (BS). Diese Software (SW) arbeitet anders und möglicherweise hat ein HSP dazu genetisch auch eine modifizierte Hardware zur VerfĂŒgung gestellt bekommen – egal wie: Diese ander SW sorgt fĂŒr viele wenn nicht alle Symptome, die oben gelistet sind.

    Schön, wenn HSP soweit damit klar kommen und auch ihre Umgebung (Familie, Freunde, Kollegen bzw. siehe Kreis-Modell „NĂ€he und Distanz“).
    Jedoch: Wenn es nicht so ist, dann fĂŒhrt dieses andere BS zu Begrenzungen bis hin zu Problemen – fĂŒr die HSP wie fĂŒr die anderen.

    Dabei gilt es aus meiner eigenen Erfahrung vor allem den anderen Menschen verstĂ€ndlich zu machen, daß es sich *auch* fĂŒr die HSP als unangenehm bis belastend oder gar lebensbehindernt auswirkt, dieses andere Betriebssystem zu besitzen. Und auch wenn die HW vielleicht „besser“ als bei Neurotypischen sein wĂŒrde, reicht sie vermutlich *nie* aus…

    HSP leiden möglicherweise selber mehr unter diesem anderen Betriebssystem, als ihre Umwelt. Daher sehe ich diesen Artikel auch als große Chance, daß Mitmenschen besseren Zugang zur Ambivalenz der HS bei HSP haben.

    Sofern HS nicht komplett als *Ressource* (Anne-Barbara, das stammt von Dir) dient, wĂŒrde es jeder HSP unbedingt helfen, wenn nich zusĂ€tzlich noch der soziale Druck auf ihr lastet, daß sie „anders“ ist. Sondern so angenommen wird oder gar unterstĂŒtzt wird, wie es diese Software erfordert oder ermöglicht. Denn es gibt keine andere SW zum Installieren, kein Update, keinen Patch ;-)

    Wenn man das weiß, kommt man mit dieser SW vermutlich besser klar – daher ist die Symptomliste sehr wertvoll. Und auch wenn sich das BS nur in gewissen Grenzen justieren lassen kann bleibt m.E. das Lernen, mit ihr umzugehen.

    Liebe Anne-Barbara,
    Dir ist mit diesem Artikel etwas ganz außergewöhnliches gelungen!
    Danke!
    Henry

    Antworten
    • Lieber Henry,

      danke dir von Herzen fĂŒr dein nettes Feedback, das mich ganz außerordentlich freut! Es ist schön fĂŒr mich zu lesen, dass diese Liste so wertvoll fĂŒr dich ist und sich die MĂŒhe gelohnt hat.

      Danke dir auch fĂŒr deine Gedanken zu „Betriebssystem“ und „Software“. Ja, wir gehören zu einer Minderheit und es ist nicht immer leicht, im sozialen GefĂŒge klar zu kommen. Wichtig ist, dass wir wissen, was mit uns los ist, und dass wir uns voll und ganz so annehmen, wie wir sind. Dann verliert alles, was von außen kommt, seinen Stachel. Denn: Was andere ĂŒber dich denken, ist deren Problem, mit dir ist alles gut! So, wie du bist, bist du genau richtig.

      Herzliche GrĂŒĂŸe,
      Anne-Barbara

    • Es ĂŒberrascht mich immer wieder zu lesen, wir wĂ€ren eine Minderheit. Woher kommt dieser Gedanke nur??

      Ich kann nur vermuten, dass jeder, der einen derartigen Gedanken verfasst, alle Menschen auf diesem Planeten eingehend studiert und befragt hat, um dieser Schlussfolgerung nachzuhĂ€ngen. Als GedankenstĂŒtze erwĂ€hne ich vorsorglich „Dunkelziffer“ und auch, dass vielen Betroffenen gar nicht bewusst ist, hochsensibel zu sein.

      Liebe GrĂŒĂŸe
      Manuela

    • Hallo Manuela,

      dass Hochsensible eine Minderheit von ca. 15-20 % der Bevölkerung darstellen, wurde in einigen Studien wissenschaftlich eruiert. Von daher sollte dies als gesichert gelten.

      Herzliche GrĂŒĂŸe,
      Anne-Barbara

  2. 90 Symptome! Das klingt erst einmal viel, aber in diese Blöcke sortiert erschließt es sich sofort. Ich scanne neugierig die einzelnen Rubriken und finde mich in der Mehrzahl der Punkte wieder … Dann gleich ein paar Tipps zur Erinnerung noch mit dabei, und schon bin ich wieder ein bisschen besser eingenordet auf meine HSP-Gabe. Danke fĂŒr diesen tollen Überblick, Anne-Barbara! Du gibst so kontinuierlich eine Orientierung ĂŒber HochsensibilitĂ€t, das tut einfach gut.

    Antworten
    • Liebe Jana,

      vielen Dank fĂŒr dein nettes Feedback, das mich sehr freut! Super, dass du jetzt wieder „eingenordet“ bist… :-)

      Herzliche GrĂŒĂŸe,
      Anne-Barbara

  3. Liebe Anne-Barbara,

    auf Anhieb fĂ€llt mir noch ein wichtiges, körperliches Symptom ein, dass ich aus Erfahrung noch vor der Kenntnis meiner HS immer wieder erlebt habe: der ĂŒberaus empfindliche Geruchssinn! Zeit meines Lebens konnte ich nicht an ParfĂŒmerien o.Ă€. vorbeigehen, ohne die Luft anzuhalten… oder z. B. den Atem meines mittlerweile 25jĂ€hrigen Neffens aushalten (er roch als Baby so nach Mais…) Bei Mahlzeiten verlasse ich mich z. B. auch seit einem unglĂŒcklichen Spaghetti-Zwischenfall immer auf meine Nase :-)

    Ansonsten bin ich nachdenklich gestimmt, wenn ich hs Kinder sehe, die bei vermeintlichen „normalsensiblen“ Eltern aufwachsen, diese aber in keinster Weise Ahnung davon haben, wie wichtig es ist, HS zu verstehen und ihre Kinder zu unterstĂŒtzen… Vor einer Stunde erst wieder so eine Situation gehabt…

    Ich wĂŒsste so gern, wie man da helfen kann. Ich hatte in dem besagten Fall die Mutter direkt darauf angesprochen, ob ihr Sohn hs sei. Sie kannte den Begriff so ungefĂ€hr, aber es schien sie nicht zu kĂŒmmern, außer, dass der Junge endlich artig in die Kita geht und sich besser in ihren Alltag einfĂŒgt, sonst hĂ€tte sie beruflich was Ă€ndern mĂŒssen… Wenn ich an meinen Mann und mich denke… ich habe meine Karriere komplett aufgegeben, wir ernten oft verĂ€chtliche Blicke und SprĂŒche… wir leben einfach, aber gewĂ€hlt, um unserer Jungen Willen. Die beiden sind sehr glĂŒcklich und machen auch ihre Fortschritte, aber eben nach hs- Manier. Ich bin schlicht erstaunt, fĂŒr mich ist es so natĂŒrlich (aber nicht einfach!), mein Leben umzugestalten, um den Kindern eine bessere Chance zu geben, dass ich jedes Mal stutze, wenn ich bemerke, dass es scheinbar nicht so natĂŒrlich ist…

    Antworten
    • Liebe Maja,

      vielen Dank fĂŒr deinen Hinweis auf den Geruchssinn! Das ist ein ganz hĂ€ufiges Symptom und mir doch glatt durch die Lappen gegangen… Ich habe es sofort im Blog-Artikel ergĂ€nzt!

      Was diese Eltern von hs Kindern betrifft, denke ich, tust du schon das bestmögliche. Du kannst ja nicht mehr machen als diese Leute darauf ansprechen. Und auch, wenn du damit nicht wirklich durchdringst, hast du dennoch einen Impuls gesetzt. Wahrscheinlich sind in solchen FĂ€llen mehrere Impulse nötig, bis sich die Leute bewegen…

      Schön, dass Ihr Euren Jungs ein gutes Leben ermöglicht! :-)

      Herzliche GrĂŒĂŸe,
      Anne-Barbara

  4. So ein interessanter Artikel. Und genau „auf den Punkt“. Beim Lesen ertappe ich mich zustimmend nickend und muss schmunzeln.
    Vielen Dank fĂŒr das Sammeln und Zusammenfassen der Symptome. :)

    Antworten
    • Liebe Mandy,

      vielen Dank fĂŒr dein nettes Feedback, das mich sehr freut! :-) Freut mich, dass sich die MĂŒhe gelohnt hat…

      Herzliche GrĂŒĂŸe,
      Anne-Barbara

  5. Hallo,
    Ist die Übersetzung von Hyperakusis nicht GerĂ€uschempfindlichkeit? Das dachte ich immer. Hier steht es aber getrennt als zwei verschiedene Symptome im Artikel…
    Liebe GrĂŒĂŸe,

    Antworten
    • Hallo Tatjana,

      Hyperakusis und GerÀuschempfindlichkeit sind nicht das Gleiche. GerÀusch- und LÀrmempfindlichkeit sind individuelle Besonderheiten, d.h. der eine ertrÀgt mehr, der andere weniger. Es hÀlt sich aber noch in normalen Grenzen.

      Hyperakusis bedeutet wörtlich ĂŒbersetzt „zu viel hören“. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung. Unsere Ohren verfĂŒgen ĂŒber ein SchalldĂ€mpfungssystem, das aktiv wird, sobald es lauter zugeht. Bei Hyperakusis ist dieses SchalldĂ€mpfungssystem geschĂ€digt. Es werden deshalb schon GerĂ€usche als schmerzhaft laut empfunden, die fĂŒr andere ganz normal sind.

      Herzliche GrĂŒĂŸe,
      Anne-Barbara

  6. Liebe Anne-Barbara,

    danke fĂŒr die prĂ€zise Trennung der beiden Begriffe – mir war das frĂŒher auch nicht klar, aber mit so einfachen Worten erklĂ€rt sich das Nicht-Betroffenen besser!

    Meine Lösung ist seit Jahren (leider), entweder mit echten Kopfhörern musikhörend unterwegs zu sein – die dann auch gern laut sein darf :-)

    Oder – vor allem natĂŒrlich wenn ich selber das Auto steuere oder Radfahre, mit Schutzeinrichtung. Entweder auf Wachs/Silikonbasis oder – viel besser – speziellen Ohrschutz von Alpine „Partyplug“ (keine Reklame, sondern eine echte Empfehlung fĂŒr alle Mitleser!). Die gibt es auch schon fĂŒr Kinder und dĂ€mpfen die Sprache nur unwensentlich, so daß man sich nicht so abgeschottet fĂŒhlt, wie bei massiven „Stöpseln“.

    Der Hyperakustikus schlĂ€gt bei mir mit/durch WindgerĂ€uschen bei geschlossenen Fenstern und Meeresrauschen auf Distanz schon zu. Armbanduhr bei Menschen im selben Zimmer, KĂŒhlschrank im Nebenraum… Dagegen kann ich stundenlang lauter Musik ausgesetzt sein, wenn ich das selber möchte und es nicht der Nachbar ist ;-)

    Das verwirrt viele Menschen, weil es inkonsistent scheint. Ist aber m.E. genau der praktische Beleg dafĂŒr, daß das zwei getrennte Dinge sind.

    Liebe GrĂŒĂŸe
    Henry

    Antworten
    • Lieber Henry,

      ich denke, wenn du laut Musik hören kannst, hast du sicher keine Hyperakusis. Denn das ist organisch und du könntest dann keine lauten GerĂ€usche ertragen, noch nicht einmal Musik, die du magst! So, wie du es beschreibst, leidest du unter GerĂ€uschen, die du nicht kontrollieren kannst und bei denen es ungewiss ist, wie lange sie noch dauern werden. Schaltest du hingegen eine Musik ein, die du liebst, ist das o.k.! Du könntest sie ja aber auch jederzeit abstellen, wenn sie dich zu nerven anfangen wĂŒrde.

      Von daher ist das bei dir eine Frage, wie dein Gehirn das GerĂ€usch bewertet. Das ist weit verbreitet! Bei Schmerz gibt es das gleiche PhĂ€nomen. Wenn man sich selbst zwickt, tut das vielen Menschen wesentlich weniger weh wie wenn jemand anderes sie mit der gleichen Kraft zwicken wĂŒrde. Das Gehirn bewertet beides einfach völlig unterschiedlich und das wirkt sich auf die IntensitĂ€t unseres Erlebens aus!

      Danke dir fĂŒr den Tipp mit den Ohrstöpseln, solche habe ich auch:

      FĂŒr Erwachsene

      FĂŒr Kinder

      Herzliche GrĂŒĂŸe,
      Anne-Barbara

  7. Guten Abend,

    auf der Suche nach einer möglichst vollstĂ€ndigen und guten Darstellung von Merkmalen der HochsensibilitĂ€t bin ich auch auf Ihre Seite gestoßen. Die von Ihnen gelisteten Merkmale haben im Vergleich zu anderen Seiten immerhin einen ordentlichen Umfang, ĂŒberschneiden sich aber des Öfteren. Von einer VollstĂ€ndigkeit ist Ihre Liste noch ein gutes StĂŒck entfernt. Auf anderen Internetseiten habe ich innerhalb kurzer Zeit auch Merkmale gefunden, die nicht bei Ihnen zu finden sind. Vielleicht könnten Sie auf diese Weise Ihre Liste noch etwas vervollstĂ€ndigen.

    Aus meiner eigenen Erfahrung wĂŒrde ich eine intensive Wetter- /JahreszeitenfĂŒhligkeit sowie verstĂ€rkte Wahrnehmungen von WĂ€rme und KĂ€lte (auch in den InnenrĂ€umen) der HochsensibilitĂ€t zurechnen. DarĂŒber hinaus können Hochsensible gegenĂŒber fremden Menschen sehr stark mit Zuneigung oder Abneigung reagieren, bevor sie auch nur ein Wort mit ihnen gesprochen haben. Im weiteren Sinn kann man dies einer erhöhten Menschenkenntnis zurechnen. Im Bereich störender GerĂ€usche gehört sicher die Misophonie, von der ich selbst stark betroffen bin, dazu.

    Schönen Gruß
    Thomas

    Antworten
    • Hallo Herr Lewinson,

      vielen Dank fĂŒr Ihr Interesse! NatĂŒrlich kann auch diese sehr ausfĂŒhrliche Liste keinen Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit haben. Sie beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen. Andere Webseiten haben andere Schwerpunkte. Mein Ziel ist es, hier einzigartigen Content zu bieten. Etwas von anderen Webseiten zu kopieren, wĂŒrde mir widerstreben.

      Danke fĂŒr Ihre Anregungen! Die von Ihnen genannten Symptome kenne ich vereinzelt auch von HSP, sie sind mir aber zu speziell, als das ich sie in diesen allgemeinen Katalog aufnehmen wĂŒrde. Ich bitte um Ihr VerstĂ€ndnis!

      Herzliche GrĂŒĂŸe,
      Anne-Barbara Kern

  8. Hallo,
    ich habe diese Website verschlungen. Und tue es noch. HSP mögen das große Ganze und hier ist es zu finden. In den bisherigen Kommentaren lese von den Anstrengungen der Reizoffenheit und dessen Verarbeitung.
    Ich bin erst mit 54 Jahren auf dieses Thema gekommen. Scheinbar arttypisch im Rahmen eines Burnout Coachings. Ich habe, wie ich jetzt weiss, aber schon immer mehr oder weniger nach meiner Natur gelebt (HSP + High Sensation-Seeker) und bin damit sehr glĂŒcklich. Mit der FĂ€higkeit zur Resilienz ist sicherlich nicht jeder gesegnet. Aber schafft man das, kann HochsensibilitĂ€t auch ein Leben mit tiefer Empfindung fĂŒr Natur, Musik, Kunst und Licht und ausgesuchten Menschen sein, das sehr, sehr erfĂŒllend ist. Ich geniesse es sehr, meine Umwelt und Mitmenschen zu lesen und zu verstehen. Und zu spĂŒren, was ein freundlicher Satz, ein Blick oder erst recht ein taktvolles, sensibles GesprĂ€ch bewirken kann. Ist die Kraft aufgebraucht kommt der RĂŒckzug. Seit 2 Jahren ist das nun eine bewußte Handlung. Damit geht es großartig. Ich habe mich von der QuantitĂ€t verabschiedet (und ein ArchitekturbĂŒro mit 14 Mitarbeitern verkauft) und mich der QualitĂ€t verschrieben (Begleitung on ausgesuchten, komplexen Projekten). Die beste Entscheidung der letzten Jahre.
    In sich und seiner Haut zu leben, das zu tun, wofĂŒr man gemeint ist, verhindert so viel kraftraubende NegativitĂ€t. Es geht….. :-)

    Viele GrĂŒĂŸe

    Markus Ernstng

    Antworten
    • Lieber Markus,

      vielen herzlichen Dank fĂŒr dein nettes Feedback und das Teilen deiner Geschichte! Du hast in Bezug auf deine HochsensibilitĂ€t alles richtig gemacht. Ja, es geht – man kann sich ein gutes Leben aufbauen, wenn man sich selbst versteht. Und dann geht es einem wie dir – dass du deine HochsensibilitĂ€t als Ressource empfindest. Ich finde es schön, wie dir das gelungen ist…

      Herzliche GrĂŒĂŸe,
      Anne-Barbara

  9. Hallo Anne,
    vielen Dank fĂŒr diesen schön strukturierten und ĂŒbersichtlichen Blogbeitrag. Seit meines spĂ€ten Jugendalters bin ich immer wieder in Therapie und habe schon sehr viele Diagnosen bekommen, die dann auch wieder verworfen wurden. Erst vor ein paar Monaten gab mir eine Therapeutin den Tipp, ich solle mich bei der Heiligenfeld Klinik um eine Aufnahme bemĂŒhen, da sie nicht glaubt, dass ich z.B. Borderlinerin bin sondern eher vermutet, hochsensibel zu sein. NatĂŒrlich hatte ich schon einmal davon gehört aber nie daran gedacht, dass ich das sein könnte.
    Leider scheitert der Klinikaufenthalt nun an der KostenĂŒbernahme der Beihilfe.

    Ich hoffe, dass ich noch irgendwo anders unterkommen und die Kosten dann getragen werden.

    Wer mir bei der langsamen Akzeptanz bzw. der Erkennung der HochsensibilitĂ€t geholfen hat, war meine Großmutter. In meiner Kindheit war ich viel bei meinen Großeltern. Meine Oma war Erzieherin im Kindergarten und hat 7 Enkel. Bis heute sagt sie mir, dass sie noch nie so ein Kind wie mich erlebt hat. Ich hatte nie Angst vor Insekten/Kriechtiere. Ich habe sie gesammelt, beobachtet, war fasziniert von der Natur. Konnte mich stundenlang alleine beschĂ€ftigen (malen, zeichnen, Handwerken), hab nie gemeckert… schĂŒchtern war ich aber nie. Eher habe ich Menschen immer an die Hand genommen.

    Vielleicht kannst du hierzu deine Erfahrungen mitteilen, was andere Patienten/Clienten hier aus ihrer Kindheit erfahren haben?

    LG
    Sissy

    Antworten
    • Liebe Sissy,

      vielen Dank fĂŒr dein nettes Feedback zu meinem Artikel! Tut mir leid, dass es dir gerade nicht gut geht. Heiligenfeld ist eine sehr gute Adresse, da hat eine Klientin von mir sehr gute Erfahrungen gemacht. Schade, dass die Kosten nicht ĂŒbernommen werden. Ich drĂŒcke dir die Daumen, dass du anderswo gut unterkommst!

      Zu deiner Frage kann ich dir keine pauschale Antwort geben. Denn Hochsensible haben genauso unterschiedliche Kindheiten wie alle anderen Menschen auch. Was man sagen kann, ist, dass eine gute Kindheit bei Hochsensiblen dazu fĂŒhrt, dass sie psychisch stabiler sind als andere. Eine schwierige, belastende Kindheit fĂŒhrt allerdings dazu, dass ein höheres Risiko fĂŒr spĂ€tere psychische Erkrankungen besteht.

      Wenn deine Oma sagt, dass du sehr anders als andere Kinder warst, ist es gut möglich, dass bei dir außer HochsensibilitĂ€t noch mehr Dinge los sind. Oft kommt z.B. noch Asperger dazu, oder ADS/ADHS. Einen Asperger-Test findest du hier:

      Hast du Asperger-ZĂŒge? Mache den Test!

      Das ist nĂ€mlich sehr schwer zu diagnostizieren. Normale Therapeut:innen oder Neurolog:innen können das nicht. Man braucht eine jahrelange Spezialausbildung dafĂŒr. Deswegen wird es oft ĂŒbersehen. Also wenn du magst, sieh dir den Artikel einmal an.

      Herzliche GrĂŒĂŸe,
      Anne-Barbara

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hochsensibel sein