Trauma und Hochsensibilität

Die Hochsensibilitätsforscherin Elaine N. Aron hat herausgefunden, dass hochsensible Menschen anfälliger für Traumatisierungen sind, als das bei normal veranlagten Menschen der Fall ist. Das ist nicht weiter verwunderlich, da wir über eine erniedrigte Reizschwelle verfügen und deshalb mehr Information aufnehmen. Trauma heißt ja vereinfacht nichts anderes, als dass ein Maß an bedrohlichen Reizen aufgenommen wurde, das vom Gehirn nicht mehr verarbeitet werden kann. Dass dieses Maß bei hochsensiblen Menschen schneller voll ist, ist logisch. Auch ich habe bis vor einigen Jahren unter einem Kindheitstrauma gelitten und bin bis ins hohe Erwachsenenalter mit einer posttraumatischen Belastungsstörung durch die Gegend gewankt, die leider von niemandem diagnostiziert wurde. Erst als ich selbst zufällig auf dieses Thema gestoßen bin, habe ich das erkannt und konnte endlich die richtigen Maßnahmen ergreifen. Danach hat für mich ein ganz neues und unbelastetes Leben angefangen. Ich bin überzeugt davon, dass es vielen hochsensiblen Menschen da draußen genauso geht wie mir, und dass ihnen geholfen werden könnte, wenn sie nur darüber wüssten. Deshalb schreibe ich diesen Artikel.

Ein Trauma ist ein auf die Psyche einwirkendes stressreiches Ereignis, das vom Gehirn nicht verarbeitet werden kann. Ob etwas als traumatisierend erlebt wird, ist individuell verschieden und hängt von den Bewältigungsmöglichkeiten des Einzelnen ab.

Die drei Trauma-Ebenen

Man unterscheidet in drei Trauma-Ebenen:

  1. Das Alltagstrauma

    Dabei handelt es sich um eine als traumatisch erlebte Erfahrung, bei der wir uns erschrecken, von der wir uns jedoch wieder erholen und die wir tolerieren können. Oft reicht es schon aus, die Sache jemandem zu erzählen, um sie zu verarbeiten.

  2. Das belastende Lebensereignis

    Etwas wird als traumatisch erlebt und nicht toleriert, weil dabei alte, als traumatisch erlebte Erfahrungen reaktiviert werden. Durch dieses Erlebnis wird also eine andere Erfahrung aus der eigenen Lebensgeschichte wachgerufen, was psychische und körperliche Reaktionen zur Folge haben kann. Dies kann durchaus unbewusst passieren, so dass einem in solchen Momenten nicht klar ist, welche alten Erfahrungen da in die Gegenwart hineinfunken.

  3. Das Trauma im klinischen Sinne

    In diesem Fall ist das Erlebte so mächtig, dass die Informationsverarbeitung im Gehirn blockiert wird. Ursachen dafür sind z.B. Überfälle, Missbrauch- und Gewalterfahrungen, Naturkatastrophen, etc.

Was passiert bei einem Trauma im Gehirn?

Für unser Gegenwartserleben ist im Gehirn die Amygdala, der Mandelkern, zuständig. Ist ein Erlebnis mit wenig Emotion behaftet, wird es einfach wieder vergessen. Ein emotional stärkeres Erleben wird vom Gehirn als wichtig eingestuft. In diesem Fall wird die Information von der Amygdala an den Hippocampus weitergegeben. Dieser ist für unser Gedächtnis zuständig. Er bereitet Informationen so auf, dass wir sie uns mittel- oder langfristig merken können. Doch wenn ein Erlebnis zu stark ist, blockiert der Hippocampus. Er wird mit Botenstoffen derartig überschüttet, dass er einfach überlastet ist.

Die Folge ist, dass das Erlebte quasi in der Amygdala stecken bleibt. Nun ist diese aber nicht dafür gemacht, Informationen zu speichern. Die Amygdala kann nur Gegenwart. Das hat für das Erlebte zwei Konsequenzen: Erstens wird es fragmentiert, d.h. man kann sich nur bruchstückhaft oder manchmal auch gar nicht mehr daran erinnern. Zweitens fühlt es sich, wenn das Erlebte hochkommt, nicht wie eine normale Erinnerung an: Da die Amygdala nur Gegenwart kann, wird auch alles wieder so erlebt, als würde es eben gerade geschehen, mit der vollen emotionalen Ladung.

Dies führt dazu, dass viele Traumatisierte ihr Erleben als „irreal“ empfinden. Das, was wirklich zu diesem Erleben geführt hat, kann man nicht wie ein normales Ereignis erinnern. Die Erinnerung fühlt sich also „komisch“ an und ist schwer einzuordnen. Und wenn ein Trigger dieses Erleben auslöst, was jederzeit geschehen kann, durch Dinge, die auch nur entfernt an das Trauma erinnern, fehlt ja der gegenwärtige Bezug. Die Reaktion ist in Bezug auf ihren unmittelbaren Auslöser, den Trigger, unverhältnismäßig. All das gehört zu den Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Ein Fallbeispiel aus der Praxis

Ich hatte einmal eine hochsensible Klientin, die unter unklaren depressiven Verstimmungen litt, die sich auch unter mehrfachen Psychotherapien nicht wirklich aufgelöst haben. Wir haben eine Weile daran gearbeitet, doch ohne durchschlagenden Erfolg. Eines Tages kam die Klientin mit einem auf den ersten Blick „völlig unverdächtigen“ Partnerschaftsproblem zu mir. Ihr Mann hatte sie aus Neckerei fest in den Arm genommen und konnte nicht verstehen, dass sie das nicht mochte.

Wir klopften EFT (s. mein Artikel EFT – emotionale Freiheit für Hochsensible) wegen dieses unangenehmen Gefühls und plötzlich fand sie sich als Vierjährige in einem Operationssaal. Ihr sollten die Mandeln entfernt werden, weswegen sie eine Gasnarkose bekam. Sie sah die Maske auf ihr Gesicht zukommen. Plötzlich bekam sie eine Todesangst davor und begann, sich dagegen zu wehren. Das medizinische Personal hielt sie fest und zwang ihr die Maske auf das Gesicht, bis sie sich nicht mehr wehren konnte und in Narkose fiel. Dass ihr Mann sie fest in den Arm genommen hatte, war also nur der Trigger für ihr dahinterliegendes traumatisches Erlebnis gewesen.

Da ein Trauma kein Coaching-Fall ist, wie man in meinem Artikel Coaching oder Therapie? nachlesen kann, sondern in die Hände eines erfahrenen Trauma-Therapeuten gehört, schlug ich meiner Klientin vor, einige EMDR-Sitzungen zu absolvieren. Schon eine einzige Sitzung genügte, um das Trauma aufzulösen. Sie hat seitdem keine posttraumatische Belastungsstörung (PTSB) mehr.

Mit meinem Kindheitstrauma bin ich vor einigen Jahren zu zwei erfahrenen EFT-Therapeuten gegangen und konnte es innerhalb von fünf Tagen auflösen. Da ich mir dieses Trauma sehr früh erworben hatte, kannte ich gar kein Leben ohne PTSB. Es ist ein unvorstellbares Glück für mich, jetzt frei davon zu sein.

Was passiert, wenn man ein Trauma auflöst?

Es ist noch nicht genau geklärt, warum EFT und EMDR so gut bei Traumata helfen. Man weiß, dass Gary Craig, der Begründer von EFT, traumatisierten Vietnam-Veteranen sehr gut helfen konnte. Dies ist von einem Kamerateam gefilmt worden. Außerdem weiß man, dass Gesprächstherapie bei Trauma-Erfahrungen nur bedingt hilft. Denn über das Trauma zu sprechen wirkt wie ein Trigger, der die Amygdala aktiviert. Und wenn die einmal feuert, ist man einfach nur retraumatisiert, wie ich es aus eigener Erfahrung kenne: Der Hippocampus blockiert erneut und man kann die Sache schon wieder nicht verarbeiten.

Da ich es am eigenen Leib erfahren habe, wie es ist, ein Trauma wirklich aufzulösen, und ich es auch bei meiner Klientin, die ich durch diese Zeit begleitet habe, hautnah mitbekommen habe, kann ich beschreiben, wie sich das anfühlt: Aus einer Erinnerung, die einfach nur den blanken Horror auslöst, als wäre alles wieder Gegenwart, wird plötzlich eine Erinnerung, die zwar ziemlich blöd ist, aber eben eine Erinnerung. Vergangenes ist dann wirklich vergangen und es fühlt sich auch so an.

Ich kann mir das nur gehirnphysiologisch erklären: Das traumatische Erlebnis, das in der Amygdala hängen geblieben ist, gelangt mit Hilfe von Techniken wie EFT oder EMDR doch noch in den Hippocampus und wird endlich ganz normal weiterverarbeitet. Sozusagen geknickt, gelocht und abgeheftet. Erledigt, ad acta. Jedenfalls fühlt sich das richtig gut an.

zur Trauma-Seite des EMDRIA e.V.

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Bild: Edvard Munch, Der Schrei, Wikimedia Commons

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16 Gedanken zu „Trauma und Hochsensibilität“

  1. Ein Freund von mir hat vor 30 Jahren seine geliebte Schwester durch Krebs verloren. Er war damals gerade erst 17 geworden, also, im „Umbruch“, anatomisch gesehen. Er hat sich nach diesem Schicksalsschlag sehr verändert. Über die Jahre hinweg hat er sich immer mehr emotional zurückgezogen.
    Und wie ich erst vor kurzem erfahren habe, ist er in seinen 20ern sogar drogenabhängig gewesen.
    Jetzt meine Frag: Ist es möglich, dass er hochsensibel ist und aus diesem Grund so tief „gefallen“ ist? Ich habe auch heute noch den Eindruck, dass er das nie richtig verarbeitet hat.

    Antworten
    • Hallo Susi,

      vielen Dank für Deinen bewegenden Bericht! Diese Geschichte klingt tatsächlich so, als ob diese Sache für Deinen Freund zumindest ein belastendes Lebensereignis gewesen ist. Man muss nicht hochsensibel sein, um darunter schwer zu leiden! Es könnte ihn sehr weiterbringen, an dieser Geschichte zu arbeiten, am besten mit professioneller Begleitung.

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

  2. Danke für Deine Antwort. Ich bin da ganz Deiner Meinung, allerdings habe ich nicht die Möglichkeit ihm das zu sagen. Ich habe es versucht, aber er blockiert alles, was damit zu tun hat, also auch die Möglichkeit auf dem Friedhof vor dem Grab zu trauern. Ich habe ihm schon oft meine Hilfe angeboten, er tut meine Versuch dann aber als Psychospielchen meinerseits ab. Also, er hat auch kein Vertrauen und zieht alles ins negative und denkt wohl, er würde hintergangen werden.
    Ich habe dann den Kontakt abgebrochen, weil mir das sehr wehtut, wenn er mich so sieht und dementsprechend auch behandelt. Wir haben diese Geschichte gemeinsam erlebt, denn wir waren damals ein Paar, zudem bin ich HSP und empfinde da natürlich wesentlich mehr, als jemand anderes.
    Trotzdem beschäftigt mich das immer wieder und lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Ich habe immer mal wieder versucht, mit anderen darüber zu reden. Leider wird immer wieder abgewunken und keiner versteht, warum ich mich da so „reinsteigere“.
    Ich würde ihm sehr gerne helfen, weil ich ihn immer noch sehr mag, aber ich habe aufgegeben, muss auch aufgeben, sonst verliere ich mich selbst.
    Es ist schon hart zu wissen, dass da jemand ist, der eine regelrechte Festung um sich gebaut hat. Ich kannte ihn mal als sehr sensiblen, feinfühligen Menschen, deshalb war meine Frage, ob es mit HS zu tun haben kann. Ich denke, dass er versucht, sich extrem männlich zu zeigen, damit keiner seine Sensibilität bemerkt. Da ich ihn aber anders kenne und auch spüre, dass es nicht so ist, fällt es mir schwer, das alles so stehen zu lassen.
    Das wird mich wohl mein ganzes Leben lang begleiten, denke ich… leider!

    Antworten
    • Hallo Susi,

      das ist wirklich eine ergreifende Geschichte, die Du da beschreibst, und ich kann gut verstehen, wie nah Dir das geht. Natürlich kenne ich weder Dich noch ihn, doch das, was Du beschreibst, klingt so, als wäre er in einen Selbstschutz gegangen. Manchmal sind Erlebnisse so überwältigend für uns, dass wir sie erst einmal nicht verarbeiten können. So etwas wird dann verdrängt, um die Seele zu schützen. Das ist auch genau der Grund, warum die Verjährungsfristen für Kindesmissbrauch verlängert worden sind. Kinder können sich oft jahrzehntelang nicht an den Missbrauch erinnern; oft kommen die Erinnerungen erst wieder hoch, wenn sie 30, 40 Jahre oder gar älter sind.

      Lange Rede kurzer Sinn – wenn Dein Freund in dieser Phase ist, kannst du darfst Du ihn da nicht herausholen. In diesem Fall wäre es nämlich so, dass er es nicht verkraften würde, wenn das jetzt hochgeholt werden würde. Und Du könntest das auch nicht auffangen.

      Für ihn kannst Du momentan also nichts tun. Aber bitte tue etwas für Dich, damit wenigstens Du die Geschichte verarbeiten kannst. Ich weiß nicht, ob Du meinen EFT-Artikel gelesen hast?

      EFT – emotionale Freiheit für Hochsensible

      EFT ist eine Technik zur Angst- und Stressreduktion, mit deren Hilfe man unangenehme Gefühle, z.B. durch schlimme Erinnerungen, auflösen kann. Du findest dort eine Anleitung, die sich allerdings auf Reizüberflutung bezieht. Tausche einfach das Wort „Reizüberflutung“ durch die Gefühle aus, die Dich noch belasten. Auf diese Weise kannst Du diese Geschichte verarbeiten. Mehr EFT und auch ein Video, wo ich es vormache, findest Du hier:

      Gratis Online-Kurs für Hochsensible

      Diese Geschichte wird Dir immer in Erinnerung bleiben, aber sie muss Dich nicht Dein ganzes Leben lang belasten. Und wer weiß, wenn Du etwas für Dich getan hast, ist vielleicht auch für Deinen Freund ein weiterer Schritt möglich.

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

  3. Nochmals vielen Dank für die Antwort, liebe Anne-Barbara. Du hast mir damit sehr weitergeholfen, indem Du mir bestätigt hast, was auch ich darüber denke. Es ist nämlich auch nicht schön von anderen Leuten, die ihn/uns kenne, zu hören, er wäre eine Idiot und noch schlimmeres. Das ist nämlich nicht der Fall. Ich musste mir auch schon anhören dass „anderer Leute Schwester sind auch gestorben und irgendwann muss man damit doch mal abgeschlossen haben“. Solche Menschen haben überhaupt kein Mitgefühl für Andere und denken überhaupt nicht darüber nach, dass es nicht jeder schafft, damit klarzukommen.
    Sowas prägt einem doch für das ganze Leben und kann die Persönlichkeit eines Menschen nachhaltig verändern. So sehe ich das jedenfalls.
    Auch aus diesem Grund denke ich, dass auch er HSP ist. Es würde echt passen.
    Nixdestotrotz bleibt mir nix anderes übrig, als ihn loszulassen. Genau aus dem Grund, den Du genannt hast, es könnte auch gefährlich werden. Und dafür möchte ich nicht verantwortlich sein.

    Ja, an Deinem Online-Kurs und dem EFT bin ich dran, vielen Dank. Das EFT funktioniert ganz gut und bei dem Kurs bin ich erst bei der Alltagsoptimierung. Das fällt mir allerdings ein bisschen schwer, weil ich nicht der Aufschreib- und Ausfüll-Typ bin. :)
    Schau’n wir mal, was daraus wird.

    Dein Blog hat mir aber bis jetzt am allermeisten zugesagt… und ich habe schon sehr viel über das Thema HSP gelesen. Also, Daumen hoch und weiter so! ;)

    Viele Grüße!

    Antworten
    • Hallo Susi,

      ein Idiot ist er auf keinen Fall, das ist einfach nur gemein. Es ist individuell sehr verschieden, wie gut man mit so einem Schicksalsschlag klar kommt bzw. wie sehr man darunter leidet. Selbst wenn er nicht hochsensibel sein sollte, hat er an so etwas zu knabbern. Man weiß ja auch nie, was im Hintergrund alles abgelaufen ist, ob vielleicht im Zusammenhang mit der Krankheitsgeschichte der Schwester noch weitere unschöne Dinge geschehen sind, oder ob vielleicht noch Schuldgefühle dazukommen.

      Ich finde es super, dass Du Dich dazu durchringen kannst, an dieser Stelle loszulassen und etwas für Dich zu tun. Es freut mich, dass EFT bei Dir gut funktioniert, denn damit hast Du ein wirksames Tool an der Hand, um Deine Geschichte in dieser Hinsicht besser zu verarbeiten. Und vielleicht eröffnen sich dann neue Wege, denn wenn man die emotionale Ladung einer solchen Geschichte auflöst, befreit das den Kopf. Wenn Du noch Fragen hast, immer gern! :-)

      Vielen Dank auch für Dein nettes Feedback, was meinen Blog betrifft! Ich fühle mich geehrt und zum Weitermachen motiviert. :-D

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

  4. Liebe Barbara
    Wenn man endlich ein leichtes Gefühl davon hat, das traumatische ist wirklich, wirklich vorbei!, wie lange dauert es dann noch, bis der Körper und die Seele wieder Kraft haben?
    Ich hatte die ptbs nun gut zwei Jahre, davor aber auch schon Depressionen und Ängste, ess Störungen… Was vermutlich auf einer traumatischen Erfahrung von vor 25 Jahren her rührt. Vor zwei Jahren war dann die erste re traumatisierung und vor einem halben Jahr, die zweite. Ich bin ebenfalls hoch sensibel, oder zumindest sehr sensibel. Nun hatte ich diese Woche ein Erlebnis, welches mir geholfen hat zu erkennen, ja, es ist wirklich vorbei (das Gefühl ist fragil, aber da). Nur körperlich bin ich fast am Ende. Möchte nur ausruhen, aber kann nicht, weil ich selbstständige bin. Wie ist die Erfahrung, wie lange, bis man wieder wirklich körperlich und seelisch stabil ist?
    Danke für die tolle Seite!
    Patty

    Antworten
    • Liebe Patty,

      vielen Dank für Dein nettes Feedback und das Teilen Deiner Geschichte!

      Zu Deiner Frage: Deine Nerven brauchen nach all dem dringend eine Aufbaukur mit Nahrungsergänzungsmitteln! Mehr dazu findest Du hier:

      Vitamin D

      Nahrungsergänzung für hochsensible Nerven Teil 3

      Nach meiner Erfahrung hast Du gute Chancen, damit wieder fit zu werden!

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

  5. Liebe Barbara,
    Ich weiss nicht so recht wo ich anfangen soll.
    Meine Tochter wurde mit 8 Jahren von ihren Cousins väterlicherseits vergewaltigt als sie bei ihrem Vater zu Besuch war.
    Ich habe es erst später erfahren.
    Die Polizei riet mir damals von einer Anzeige ab, da die Jungs unter 14 waren und somit nicht richtig strafmündig waren und man meiner Tochter nicht nochmal diesen traumatischen Erlebnis aussetzen wollten mit der Erkenntnis das sie nicht dafür bestraft würden.
    Ich wollte eine Therapie für sie aber es rief mich nie einer zurück oder war schön voll.
    Heute weiss ich es besser.
    Meine Tochter wurde danach 3 Jahre lang in mehreren Schulen gemobbt. Und immer wieder haben wir die Schule wechseln müssen, da wir es nicht schafften durch reden mit Lehrern oder deren Eltern es ist den Griff zu bekommen.
    Als meine Tochter 13 wurde fing es an.
    Sie verletzte sich selber.
    Sie was nichts mehr oder erbrach es wieder.
    Und eines Tages fand ich den abschiedsbrief.
    Ich muss dabei sagen das sie nun schon seit einem Jahr endlich einen Therapeuten hatte.
    Wir haben sie einweisen lassen und sie blieb 4 Monate in der Klinik.
    Nach nur 3 Monaten fing es wieder an.
    Sie kam nicht nach Hause und schrieb einer Freundin das sie auf einer Brücke stehe.
    Wir haben die Polizei eingeschaltet und als sie sie endlich hatten, ich war so unendlich erleichtert, habe ich ihr mit viel zureden erklärt das sie nochmal in die Klinik gehen sollte.
    Dort war sie wieder 3,5 Monate.
    Seitdem lebt sie in einer wg.
    Aber immer wieder gab es Einbrüche und Suizid versuche.
    Einmal nahm sie Tabletten.
    Ich fuhr in die Klinik war bei ihr beruhigte sie.
    Ich musste erste Hilfe leisten da sie dort wieder zusammen brach.
    Dann als sie stabiler war wollte ich gehen sah nochmal zurück und sah wie sie sich das eng Kabel um den Hals legte.
    Also bin ich wieder zurück und habe sie davon abgebracht.
    Ich bin dann da geblieben bis sie wegen den Tabletten auf der intensiv Station lag.
    Ich muss dazu sagen meine Tochter und ich haben beide ein sehr inniges Verhältnis zueinander.
    Sie ist ein wunschkind und mein einziges Kind.
    Auch sind wir beide hochsensibel und sehr emphatisch.
    Das geht jetzt seit 3 Jahren so.
    Ich habe seit da 6 Monaten Albträume und flashbacks ich sehe was man ihr angetan hat ich sehe wie sie sich das Kabel um den Hals legt.
    Ich könnte nur schreien und weinen und bin doch stark.
    Für sie.
    Aber so langsam bin ich am Limit.
    Mich triggern Werbespots mit klein Kindern.
    Ich ertrage keine lachende glückliche Kinder.
    Ich habe soviel wir und Trauer in mir.
    Sie war ein so glückliches Kind.
    Und jetzt?
    Ich vermisse sie.
    Sie fehlt jeden Tag.
    Ich habe versucht in meiner Nähe, da ich kein Auto habe eine traumatherapeutin für mich zu finden.
    Aber es gibt so wenige und die sind voll.
    Ich liebe meine Arbeit aber die flashbacks werden mehr so das ich schon auf Arbeit kämpfen muss um nicht in Tränen auszubrechen.
    Ich hoffe das ich noch jemanden finde damit ich das endlich alles verarbeiten kann denn es macht mich fertig sie so leiden zu sehen und nicht helfen zu können.
    Entschuldige bitte für diesen langen Post aber es ist so viel und ich weiss dann nie wo ich anfangen soll oder wie ich es beschreiben soll.
    LG
    Claudia

    Antworten
    • Liebe Claudia,

      vielen Dank für Dein Vertrauen! Das ist keine einfache Geschichte, so dass ich auf schriftlichem Wege wohl kaum etwas ausrichten könnte. Was ich als Coach nicht machen darf, ist eine Traumatherapie. Was ich jedoch machen darf, ist eine Traumastabilisierung. Oftmals reichen solche Maßnahmen auch schon aus, und eine Traumatherapie ist gar nicht mehr nötig. Bitte vereinbare ein 30minütiges Gratiscoaching mit mir, in dem wir besprechen können, ob und was ich für Dich tun kann:

      Kontakt

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

  6. Liebe Barbara.
    Danke für diese, Ihre Internetseite!

    Sie schreiben folgendes: „Auch ich habe bis vor einigen Jahren unter einem Kindheitstrauma gelitten und bin bis ins hohe Erwachsenenalter mit einer posttraumatischen Belastungsstörung durch die Gegend gewankt, die leider von niemandem diagnostiziert wurde.“

    Darf ich bitte nach-fragen: Wie alt waren Sie konkret, bis die Wende eingeläutet werden konnte?
    Ich bin jetzt 41 Jahre und am Ende…. sollte auch ich es wagen, noch an einem realen Anfang zu stehen dürfen/können/glauben?

    Herzlichen Dank und beste Grüße,
    Janka

    Antworten
    • Liebe Janka,

      danke für Ihr nettes Feedback! Zu Ihrer Frage: Ich war Mitte 40, als ich endlich mein Trauma auflösen konnte, also locker noch einmal 3-4 Jahre älter als Sie. Es lohnt sich auf alle Fälle, einen Neuanfang zu wagen! Wichtig ist, dass Sie an Therapeuten geraten, die wirklich auf Traumatherapie spezialisiert sind. Der Durchschnitts-Psychotherapeut hat davon zu wenig Ahnung.

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara Kern

  7. Ein kleiner Versuch meine Welt zu erklären:
    In meiner Wohnung hängen Fotos von vor dem letzten schweren Trauma das nach dem wieder hervorgerufenen Kindheitstrauma auf mich einbrach. Ich hing die Fotos von mir auf um mich an schöne Zeiten erinnern zu können, ich lächle,bin abenteuerlustig, verträumt,… Jetzt nach fünf Jahren sehe ich auf diesen Fotos oft nicht mehr mich sondern bezeichne diese Frau insgeheim als meine verstorbene kleine Schwester. Im ganzen Alltag lauern Gefahren und ich bin permanent angespannt weil ich auf mich selbst aufpassen muss. Immer mit chronische Leiden im Gepäck wie Rückenschmerzen und Reizdarm. Aber ich muss raus, ich muss arbeiten gehen, das hält mich am Leben. Zuhause ist bei mir meistens mucksmäuschenstill. Da brauche ich die Ruhe, Erholung von dem ganzen Lärm, die vielen Gerüche, das schnelllebigen Getummel und die hohe Verantwortung die ich trage. Ich kämpfe mich durch und bereite seit Jahren alles für eine Zeit vor in der ich nicht mehr arbeiten gehen kann. Denn ich halte schon so lange die Luft an dass ich nicht mehr einschätzen kann wie lange ich noch durchhalte mich Tag für Tag dem ganzen Wahnsinn zu stellen und zu funktionieren. Ich bin nicht mehr die die ich einmal war, alles wirklich alles hat sich geändert. Manchmal vermisse ich mich und manchmal finde ich das neue Ich richtig gut. Die schmerzhaften Erinnerungen treffen mich meistens abends vor dem nicht einschlafen können und nachts in meinen Träumen aber es kommt auch vor dass es mich unterwegs mitten am Tag trifft. Dann bewege ich mich wie ferngesteuert aber Gedanken und Gefühle sind nicht im Jetzt. Es ist mir bewusst aber ich kann es nicht abschalten. Über das was mir passiert ist kann ich nicht reden weil die Angst groß ist mit weinen anzufangen und nicht wieder aufhören zu können.

    Antworten
    • Liebe Daniele,

      vielen Dank für dein Vertrauen und deinen bewegenden Bericht! Bitte gib nicht auf. Es gibt gute Trauma-Therapien, mit deren Hilfe du das überwinden kannst. Ich empfehle EMDR. Eine Liste von TherapeutInnen findest du hier:

      https://www.emdria.de/therapeuteninnen/

      Bestimmt gibt es auch jemanden in deiner Nähe! Ich wünsche dir alles Gute und dass du bald Hilfe findest.

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

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