Hochsensibel? Raus aus der Reizüberflutung!

Reizüberflutung, auch Überstimulation genannt, ist eines der häufigsten Probleme bei Hochsensibilität. Vielen Hochsensiblen ist gar nicht bewusst, in welchem Maß sie unter Reizüberflutung leiden, weil sie sich an die Symptome gewöhnt und/oder andere Erklärungen dafür gefunden haben. Dabei ist es sehr wichtig, Zustände der Reizüberflutung schon im Ansatz zu erkennen. Denn dann ist es noch leicht, etwas dagegen zu unternehmen. Lässt man die Reizüberflutung hingegen einfach laufen, gerät man immer mehr in Stress und es wird immer schwieriger, sich wieder zu erden. Das kann gravierende gesundheitliche Folgen haben. Denn die gesamten Reparaturprozesse unseres Körpers können unter Stress nicht arbeiten. Sie unterliegen dem parasympathischen Nervensystem, das unter Stress und Reizüberflutung massiv zurückgefahren wird, während das sympathische Nervensystem dominiert. Dies zeigt, wie wichtig es ist, dich immer wieder zu entspannen, um deine Regenerationsfähigkeit wiederzugewinnen und sie dir auch langfristig zu erhalten.

Die Symptome: So merkst du, dass du reizüberflutet bist

Jeder hochsensible Mensch nimmt Reizüberflutung ein wenig anders wahr. Achte einmal in deinem Alltag darauf, ob du hin und wieder folgendes an dir bemerkst:

  • Plötzlich einsetzendes Überforderungsgefühl
  • Nervosität und Unruhe ohne erkennbaren Anlass
  • Plötzlich einsetzende Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gehirnnebel
  • Das Gefühl, am liebsten flüchten zu wollen und sich zuhause die Decke über den Kopf zu ziehen
  • Unangenehmes Kribbeln im Kopf
  • Schwindelgefühl
  • Gefühle von Angst bis hin zu Panik

Die Symptome der Reizüberflutung treten meist plötzlich und durchaus auch in Situationen auf, die dich eigentlich nicht stressen, z.B. in froher Runde mit dir lieben Menschen. Der Grund für die Reizüberflutung liegt in einem zu hohen Datenaufkommen in deinem Gehirn, weil du einfach zu viele Reize aufgenommen hast. Und das kann leider in jeder Situation passieren, auch in angenehmen.

3 Gründe, warum Hochsensible mehr zu Reizüberflutung neigen

Grund Nr. 1: unsere erniedrigte Reizschwelle

Der erste Grund, warum Hochsensible vermehrt zu Reizüberflutung neigen, liegt in unserer erniedrigten Reizschwelle. Unsere Filter sind schwächer ausgeprägt als das beim Bevölkerungsdurchschnitt der Fall ist. Dadurch gelangt mehr Information in unser Bewusstsein. Das ist eine große Gabe, denn dadurch wissen wir auch mehr als andere! Im Umkehrschluss ist aber auch unsere Festplatte schneller voll.

Grund Nr. 2: unser auf die Bevölkerungsmehrheit hin optimiertes Umfeld

Der zweite Grund, warum Hochsensible vermehrt zu Reizüberflutung neigen, liegt nicht in der Hochsensibilität selbst begründet. Denn, wie die Hochsensibilitätsforscherin Elaine N. Aron es beschreibt:

Jeder Mensch fühlt sich am wohlsten, wenn er weder gelangweilt noch überfordert ist.

Grundsätzlich kann jeder Mensch in einen Zustand der Reizüberflutung geraten. Wir unterscheiden uns nur in der Menge der Reize, die auf uns einprasseln müssen, bis dies der Fall ist. Zwischen Überforderung und Langeweile liegt unser optimales Stimulationsniveau, bei dem wir uns richtig gut fühlen. Dieses optimale Stimulationsniveau liegt bei der Bevölkerungsmehrheit deutlich über dem der hochsensiblen Menschen.

Wenn wir jetzt, wohin auch immer, in der Außenwelt gehen, sei es in die Schule, an den Arbeitsplatz, auf den Jahrmarktbesuch oder in den Supermarkt etc., so sind all diese Umfelder so angelegt, dass sich die Bevölkerungsmehrheit dort in ihrem optimalen Stimulationsniveau bewegt. Für hochsensible Menschen ist dieses Stimulationsniveau jedoch evtl. schon zu hoch und erzeugt potenziell Reizüberflutung.

Grund Nr. 3: Reizüberflutung durch Überanpassung

Der dritte Grund, warum wir als hochsensible Menschen vermehrt zu Reizüberflutung neigen, ist, weil wir meinen, wie die anderen sein zu müssen. Die können das doch auch, die ertragen das doch auch, denen ist das doch auch nicht zu viel, also muss das bei mir auch gehen, sonst stimmt etwas nicht mit mir. Und aus diesen Gedanken heraus macht man dann zu viel mit, statt die eigenen Freiräume zu nutzen und Situationen so zu gestalten, dass sie für uns angenehm werden. Das ist nämlich oft gut möglich!

Raus aus der Reizüberflutung – so schaffst du es!

Am wichtigsten ist es, dass du dich zunächst einmal voll und ganz so annimmst, wie du bist. So wie du bist, bist du genau richtig! Deine Neigung zur Reizüberflutung ist nur die Kehrseite einer großen Gabe, vieles wahrzunehmen und gründlich und nachhaltig durchzudenken. Das können andere nicht. Dafür können sie mehr Reize aushalten und brauchen sie auch, um sich nicht zu langweilen. Es gibt da also kein „richtig“ oder „falsch“, nur verschiedene Weisen des Seins, die beide ihre Vor- und Nachteile haben.

Elaine N. Aron empfiehlt 5 Pausen täglich, 4 kleine à 5 und eine große à 20-30 Minuten. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, mich daran zu halten. Denn man macht die Pause dann schon bevor man überhaupt in die Reizüberflutung kommt und steht den Tag so wesentlich besser durch.

Achte darauf, in welchen Situationen du besonders zu Reizüberflutung neigst. Wie kannst du diese Situationen anders gestalten? Welche Freiräume hast du? Du musst nichts ertragen, was dir nicht guttut! Nimm dir deine Freiräume heraus! Du hast ein Recht dazu, frei von Reizüberflutung zu sein und so viel Zeit wie möglich in deinem optimalen Stimulationsniveau zu verbringen.

Wenn du deine Reizüberflutung nachhaltig angehen und dein Stresslevel insgesamt effektiv senken möchtest, empfehle ich dir meinen gratis Online-Kurs, der weit über diesen Artikel hinausgeht:

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6 Gedanken zu „Hochsensibel? Raus aus der Reizüberflutung!“

  1. Hallo,
    Ich lese hier schon eine Weile immer mal mit, In vielem erkenne ich mich wieder und so dachte ich, dann bin ich wohl hochsensibel. Das ist okay, auf jeden Fall habe ich damit eine Erklärung für vieles.
    Um mich zu stabilisieren haben ich die in einem anderen Artikel empfohlenen Aroniabeeren ausprobiert – Stichwort OPC. Es hieß im Artikel, man merkt sehr schnell einen Unterschied. Ich habe das Pulver etwa vier Monate täglich genommen und überhaupt keinen Unterschied gemerkt, zu keiner Zeit. Ich war immer noch sehr gestresst durch ständige Reizüberflutung. Auch Entspannungstechniken, Pausen und andere von Dir empfohlene Techniken haben mich nicht wirklich weitergebracht.

    Mittlerweile besteht bei mir die Verdachtsdiagnose der autistischen Spektrumstörung. Das ist allerdings beim Erwachsenen sehr schwierig zu diagnostizieren, da es sich laut Schulmedizinern eigentlich um eine Erkrankung des Kindesalters handelt. Außerdem gibt es verschiedenste Ausprägungen (deshalb auch der Ausdruck „Spektrumstörung“).

    Ich würde es interessant finden, ob es vielleicht einen Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und autistischer Spektrumstörung gibt?
    Die „Symptome“ sind anscheinen (teilweise) sehr ähnlich. Hohe Sensibilität auf äußere und innere Reize, auf Medikamente, Lebensmittel, allgemeinen Stress und so weiter, das gibt es ja bei beiden Bildern. Unsicherheit im Kontakt mit anderen Menschen (vor allem Gruppen) ebenso, nur aus anderen Gründen heraus, soweit ich das verstehe.

    Antworten
    • Liebe T,

      tut mir leid, dass es dir bis jetzt trotz allem, was du schon versucht hast, noch nicht besser geht! Ja, es gibt einen Zusammenhang zwischen Autismus und Hochsensibilität. Nach meiner Erfahrung sind ca. 40% aller Hochsensiblen im Spektrum. Mehr dazu erfährst du in diesem Blog-Artikel:

      Hast du auch Asperger Züge? Mache den Test!

      Ich hoffe, das hilft dir erst einmal weiter!

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

    • Ich habe mich auch schon mit dem Thema beschäftigt da ich eine Zeit lang einen Asperger Partner hatte, was ich weiss ist das Aspies nicht so eine starke Empathie haben und oftmals Gesichter schwer lesen können.
      Was beide gemeinsam haben ist der Overload, nach dem man wie abgeschaltet ist. Lg

    • Liebe Martina,

      ja, stimmt, Asperger neigen extrem zu Reizüberflutung! Dass sie weniger empathisch sind, halte ich jedoch für ein Vorurteil. Es wirkt manchmal so, weil sie soziale Situationen schlechter einschätzen können und dann nicht adäquat reagieren. Mehr zum Thema erfährst du hier:

      Hast du Asperger-Züge? Mache den Test!

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

    • Ich habe auch oft das Gefühl so wie ich bin nicht okay zu sein.
      Schon wenn ich im Supermarkt an der Kasse stehe, es um mich rum blinkt und Pieper, Bilder über die Bildschirme laufen, fühle ich mich gestresst.
      Einkaufszentren sind für mich ein Horror.
      Am wohlsten fühle ich mich in der Natur oder mit einem Buch auf dem Sofa.

    • Liebe Christine,

      vielen Dank für deine Rückmeldung! Als hochsensible Person ist es ganz normal, dass du bestimmte Reize und Eindrücke intensiver wahrnimmst und das zu Stress führen kann. Es ist wichtig, dass du deine eigenen Bedürfnisse und Grenzen kennst und respektierst. Wenn du dich in der Natur oder in ruhigen Umgebungen wohler fühlst, dann ist das völlig in Ordnung. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, um dich zu erholen und sorge gut für dich selbst. So, wie du bist, bist du genau richtig.

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

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