Hirnrasen – warum das Gedankenkarussell für Hochsensible schwer zu stoppen ist

Gestern war wieder so ein Tag, an dem bei mir unheimlich viel passiert ist. Alles positiv, ich war voller Energie und habe tolle Erkenntnisse gehabt, die mich sehr weiterbringen, aber auch ziemlich aufwühlen. Als ich mich dann schlafen legen wollte, war es wieder da – dieses Hirnrasen. So nenne ich den Zustand, wenn mein Gehirn dermaßen aktiv ist, dass es einfach nicht zur Ruhe kommt. Botenstoffe schwirren wie verrückt zwischen den Synapsen, Gedanken und Assoziationen fliegen wie Düsenjets durch meinen Kopf. Für diese Fälle habe ich meinen mp3-Player in der Nachttischschublade, darauf sind meine Open Focus Übungen abgespeichert. Ich stöpsle mir die Kopfhörer ein, drücke auf „Play“, doch nach drei Minuten ist Schluss – Akku leer! Das darf doch nicht wahr sein, ausgerechnet jetzt. Ich versuche alle möglichen Entspannungsübungen, aber nichts hilft – mein Hirn rast weiter wie ein wild gewordener Rennwagen außer Kontrolle. Irgendwann bin ich dann aufgestanden, habe das Ladekabel geholt, den mp3-Player an die Steckdose angeschlossen und meine Open Focus Übung zu Ende bringen können. Danach bin ich glücklicherweise richtig gut eingeschlafen.

Hirnrasen – Fluch und Segen bei Hochsensibilität

In meinen Coachings höre ich solche und ähnliche Geschichten immer wieder. Meine Klientinnen und Klienten berichten, dass sie schlecht oder gar nicht einschlafen können, dass ihnen die Ereignisse des Tages durch den Kopf gehen, dass sie Dinge von vorn bis hinten und wieder zurück durchdenken, dass sie sich über alles einen Kopf machen, was gar nicht nötig wäre. Und wenn sie dann endlich doch eingeschlafen sind, wachen sie bei jeder Kleinigkeit wieder auf, woraufhin das Hirn sofort wieder rast.

Hochsensible Menschen haben genetisch bedingt einen erhöhten Botenstoffstoffwechsel im Gehirn. Diese Neurotransmitter beschleunigen die Übertragung von Nervenreizen in den synaptischen Spalten.

So schreibt z. B. Elaine N. Aron im Vorwort zu ihrem Buch Hochsensibilität in der Liebe* auf S. 25 über Gene, die zu einer veränderten Steuerung des Botenstoffwechsels im Gehirn hochsensibler Menschen führen. Auch die Migräneforschung hat Gene gefunden, zu einer vermehrten Neurotransmitterbildung mit der Folge einer erhöhten Sensibilität hinweisen: Hochsensibilitätsgen von der Migräne-Forschung gefunden?

Einerseits werden uns viel feinere Reize bewusst und wir wissen und empfinden deswegen mehr, andererseits kann das Gehirn dadurch auch außer Kontrolle geraten und einfach nur noch vor sich hin rasen, ohne Sinn und Zweck. Denn weil wir mehr Neurotransmitter bilden, denken und fühlen wir mehr, und wenn wir denken und fühlen, bilden wir wieder mehr Neurotransmitter…

Das kann ziemlich unangenehm werden und ist sehr anstrengend. Solltest Du Dich in diesen Zeilen wiedererkannt haben, möchte ich Dir Mut machen: Es ist möglich, Hirnrasen aufzulösen und zu einer viel besseren Schlafqualität zu gelangen! Wie, werde ich im folgenden beschreiben.

Hirnrasen in drei Schritten auflösen

1. Sich selbst nicht zu ernst nehmen

Wir müssen uns so nehmen, wie wir sind – ein hochempfindsames Gehirn kann eben auch leicht in einen übererregten Zustand geraten. Wichtig ist, sich klar zu machen, dass dieser Zustand nichts mit der Realität zu tun hat. Normalerweise sind sorgenvolle Gedanken oder ein immer wieder Durchdenken dessen, was geschehen ist, Warnsignale, dass etwas nicht stimmt. Beim Hirnrasen ist es aber tatsächlich nur unser Gehirnstoffwechsel, der uns einen Streich spielt.

Es geht also nicht darum, diese Dinge zu Ende zu denken, denn es gibt kein Ende. Jedes Laufenlassen dieses Zustands verschlimmert ihn, weil nur immer mehr Botenstoffe gebildet werden, die das Gehirn dann noch schneller laufen lassen. Wichtig ist, möglichst schon im Ansatz Maßnahmen zu ergreifen, die das Gehirn beruhigen.

2. Entspannungstechniken lernen

In der Rubrik Stress reduzieren in diesem Blog findest Du eine Auswahl an Methoden. Lies Dir alles einmal durch und probiere das aus, was Dich anspricht. Damit kannst Du Dein Gehirn zur Ruhe bringen. Doch man sollte dies nicht nur im Akutfall praktizieren, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und die Botenstoffe bereits rasen. Jeder hochsensible Mensch benötigt mindestens zehn Minuten Entspannung täglich. Damit beugt man einem Überdrehen des Gehirns vor und verbessert seine Schlafqualität deutlich. Und dann ist man auch tagsüber ruhiger und kraftvoller.

Übrigens, in meinem gratis Online-Kurs hochsensibel sein zeige ich im dritten Video eine Entspannungstechnik, die ich Pendelatmung nenne. Damit kann man sein Gehirn radikal zur Ruhe bringen bis hin zur völligen Gedankenfreiheit.

In meinem Artikel Kannst Du abschalten? Teste Dein Regenerationsvermögen! findest Du einen Test, in dem Du feststellen kannst, wie es um Dein Hirnrasen bestellt ist, und wie weit es Deinen Alltag beeinträchtigt.

3. EFT (Emotional Freedom Techniques)

EFT ist eine Methode zur Angst- und Stressreduktion, mit der man unangenehme Gefühle gezielt auflösen und Tagesgeschehen schneller verarbeiten kann. Wenn man damit jeden Abend fünf Minuten lang die Ereignisse bearbeitet, die einen noch verfolgen, entlastet man sein Gehirn und beugt unnötigem Gedankenrasen vor. Eine Anleitung, wie die EFT Grundtechnik funktioniert, findet man in meinem Artikel EFT – emotionale Freiheit für Hochsensible. Noch mehr EFT-Techniken gibt es in meinem gratis Online-Kurs hochsensibel sein.

Meine Erfahrungen mit Hirnrasen

Ich habe mein Leben lang unter Hirnrasen gelitten. Vor irgendwelchen wichtigen Ereignissen habe ich mich stets dermaßen aufgeregt, dass mir nur wenige Stunden Schlaf geblieben sind. Am Tag darauf habe ich mich dann schwach und schlapp gefühlt, so dass ich längst nicht mein volles Potenzial abrufen konnte.

Später kam alles mögliche dazu – eine schlecht verarbeitete Vergangenheit, Zukunftssorgen… Als ich in die Wechseljahre kam, wurde meine Schlafqualität so schlecht, dass ich nur noch zwei- bis dreimal pro Woche gut geschlafen habe.

Anfang 2015 stieß ich dann auf Open Focus, eine Entspannungstechnik, die bei mir gut funktioniert. Ich praktizierte dies ein- bis zweimal täglich und habe meinen mp3-Player in der Nachttischschublade, sollte das Hirnrasen mich irgendwie am Schlafen hindern. Und das funktioniert! Ich schlafe viel tiefer, wache morgens erholter auf und leide nicht mehr unter Einschlafschwierigkeiten, außer, wenn der Akku meines mp3-Players leer ist. ;-)

Wichtig ist, dass man für sich persönlich eine Entspannungstechnik findet, die einen wirklich zur Ruhe bringt. Bevor ich Open Focus kennen gelernt habe, kannte ich schon Meditation, autogenes Training, Muskelrelaxation nach Jacobsohn, Bodyscan, Herzatmung, Pendelatmung u.v.m. All das hat bei mir nicht oder nur unzureichend funktioniert! Erst Open Focus hat mir wirklich geholfen.

Umgekehrt hilft aber auch Open Focus nicht bei all meinen Klientinnen und Klienten. Manche haben darin ihr Glück gefunden, manche kommen damit aber auch gar nicht zurecht und finden auf andere Weise zur Ruhe. Ich schreibe das, weil ich meine Leserinnen und Leser dazu ermutigen möchte, so lange zu suchen und alles auszuprobieren, bis sie tatsächlich etwas gefunden haben, das wirklich funktioniert.

Und dann wird man den Rennwagen bremsen und in die Garage fahren können, damit er in Ruhe gewartet werden kann… Was für eine Erleichterung. Diese Lebensqualität wünsche ich allen!

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4 Gedanken zu „Hirnrasen – warum das Gedankenkarussell für Hochsensible schwer zu stoppen ist“

  1. Ich bin 30 Jahre alt und weiß jetzt seit gestern, dass ich doch nicht verrückt bin. Ich bin gestern über hsp gestoßen und in Sekunden erklärten sich mir besonders die letzten 7jahre. Ich fühl mich identifiziert, irgendwie erleichtert, habe eine andere Sicht auf alles bekommen, was mich sehr entlastet. Die Menschen in meiner Umgebung kommen mir nicht mehr so dumm oder unterentwickelt vor. Seit gestern…
    Ich hab soviel Input seit gestern, kann meine Gedanken nicht richtig in Worte wandeln, ich weiß nur nicht was ich machen soll…wie geht es jetzt weiter…

    Antworten
    • Hallo,

      vielen Dank für Deinen bewegenden Bericht, der so typisch ist für das, was Menschen empfinden, die gerade ihre Hochsensibilität entdeckt haben! Es ist erst einmal eine große Entlastung, weil man endlich eine Erklärung dafür hat, was mit einem los ist. Die ganze Vergangenheit ordnet sich neu im Kopf, weil man so vieles vor diesem Hintergrund besser verstehen kann. Und dann kommt eine Phase der Neuorientierung, in der man nach Lösungen für die Probleme sucht, die man zuvor, ohne zu wissen, dass man hochsensibel ist, nicht lösen konnte.

      Ich kann Dir dazu meinen gratis Online-Kurs hochsensibel sein empfehlen, der sozusagen ein Starter-Kit in die Hochsensibilität darstellt. Dort bekommst Du einige Lösungsansätze für die wichtigsten Dinge, die man als hochsensibler Mensch beachten sollte.

      Ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen!

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

  2. Liebe Anne-Barbara,

    ich weiss seit ca 3 Jahren, dass ich HSP bin und diese Erkenntnis war eine unglaubliche Erleichterung!Doch meine Probleme, mit dem realen Leben zurecht zu kommen, haben sich dadurch nicht wirklich gebessert. Vor einem Jahr habe ich meine Selbständigkeit als Physiotherapeutin aufgegeben, weil ich einfach am Ende war. Und gefühlt immer noch bin. Ich setze mich unter Druck, weil ich Angst habe, dass dieses ewige Gedenke nie aufhört. Mit zunehmendem Alter (49) wird es immer schlimmer. Ich mache mir Sorgen um meine berufliche Zukunft und könnte oftmals nur noch vor mich hinheulen. Obwohl ich eine sehr schöne, neue Ausbildung in Angriff genommen habe, die wirklich mein Herz erfreut (Pferdeosteopathin :-)), habe ich nun ständig Angst, dass ich den sehr umfangreichen Stoff nicht lernen kann, vielleicht mittlerweile zu alt bin dafür usw… Hinzu kommt, dass ich, was das Lernen betrifft, schon immer stinkend faul war. Bisher hat mich mein super Kurzzeitgedächtnis vor jeder Prüfung gerettet. Es fällt mir so schwer, mich zum Lernen zu motivieren, mich dauerhaft zu konzentrieren, doch es wird mir nichts anderes übrig bleiben als es anzupacken. Ich will hier auch nicht weiter rumjammern mit meinen Luxussorgen.
    Ich will nur endlich wieder vernünftig schlafen können um Kraft zu tanken und zu leben und hoffe, dass bei deinem gratis online-Kurs etwas passendes dabei ist.
    Danke, dass es diese Seite für HSP gibt. Das hilft mir sehr.
    Viele Grüße von Dagmar

    Antworten
    • Liebe Dagmar,

      vielen Dank für Deinen Bericht und Dein nettes Feedback! :-) Hey, wie schön, dass Du eine Ausbildung zur Pferdeosteopathin machst! Meine Schwester hat das auch gemacht und ist sehr glücklich damit. Was Dein Hirnrasen betrifft, habe ich noch einen Blog-Artikel für Dich, wo es konkretere Hilfestellungen gibt:

      Hochsensibel? In 5 Schritten aus der Grübelfalle

      Dann hoffe ich ‚mal, dass Du im Online-Kurs auch noch fündig wirst, und wenn Du noch Fragen hast, immer gern! :-)

      Herzliche Grüße,
      Anne-Barbara

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